Pentamagica2019-01-16T20:15:10+00:00
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PENTAMAGICA

ein Film von Roland Reber
Deutschland 2003, satirische Komödie, 103 min, FSK 16

  • “Witzig, geistreich, charmant … ein wirklicher “feel good Film”. (Gordon Weaver, Filmpublizist)
  • „Erforschen des inneren Chaos durch das Paranormale!“ (Hindustan Times)
  • „ Der Regisseur macht sich daran eine bizarre Welt der Magie und des Zaubers zu porträtieren. Alles in dem Film ist seltsam: die Dialoge, das Leben der Protagonisten und die abrupten Schnittfolgen. Der Regisseur will die Absurdität der Welt, in der wir leben, betonen.” (The Egyptian Gazette)

seit 27.04.2007 auf DVD erhältlich

Mit Mira Gittner, Marina Anna Eich, Wilbur the pig, Claire Plaut, Ute Meisenheimer, Patricia Koch, Ingrit Gabriel, Manfred Gebauer

Kamera: Mira Gittner, Roland Reber
Schnitt: Mira Gittner
Musik: Wolfgang Edelmayer
Produzenten: Marina Anna Eich, Ute Meisenheimer
Buch und Regie: Roland Reber
Produktion, Verleih & Vertrieb: wtp international GmbH

„Alles, Was Sie Nie Über Magie Wissen Wollten“.

Eine satirische Komödie über die Absurdität der Welt, in der wir leben.

Christiane Raetsch (Mira Gittner) und Sandra Wolf (Marina Anna Eich) schreiben ein Buch über die “Welt der Magie”. Bei einem esoterischen Sommerworkshop treffen sie auf drei Frauen und beschliessen, zusammen an dem Buch zu arbeiten, jede in ihrem Spezialgebiet: Schamanismus, Hexerei, Geomantie, Ritualmagie, Sexualmagie.
Alle fünf Frauen versuchen die Realität durch magische Rituale zu beeinflussen und ihr Leben durch esoterische Praktiken in den Griff zu bekommen.
Die Schamanin Christiane  sucht durch psychoaktive Substanzen die Antworten im Dunst anderer Dimensionen, Sandra, die Hexe, sucht den Mann ihres Lebens, aber die Tarotkarten verneinen jeden Anwärter.

Eine verrückte Komödie, die keinen Aspekt der “magischen Wissenschaften” ausspart. Ein böser Seitenhieb auf alle Freizeitesoteriker, die am Wochenende einen Kurs besuchen und am nächsten Tag die Welt erklären.

Doch die Magie geht immer ihre eigenen Wege. Für alle von uns. Und das ist die wahre Magie des Lebens.

Die jungen Generationen haben die Grundlagen des Lebens vergessen, sie haben sich verloren im Spass- und Unterhaltungs-Dschungel der sogenannten Zivilisation. Sie haben ihre Wurzeln und ihren Weg verloren und folgen der aktuellen Mode der Spiritualität und Magie. Sie lesen heute ein Buch und lehren es morgen, ohne ein Verständnis für die Bedeutung. Sie sind nicht an Antworten interessiert, sie haben noch nicht einmal Fragen. Sie praktizieren Spiritualität, weil es gerade “IN” ist. Sie betreiben alles mit einem gewissen Ernst, der tiefere Sinn bleibt ihnen jedoch verborgen.

PENTAMAGICA ist der zweite Teil der Trilogie von Roland Reber über das Thema der menschlichen Suche nach sich Selbst und wurde 2003 in Thessaloniki mit dem Preis für den besten Schnitt ausgezeichnet.

Seit 27.April 2007 ist er auf DVD (in einer 3/1 Roland Reber Box oder Einzeln) erhältlich.

„Jeder Filmemacher sollte seinen eigenen Weg gehen. Wir machen die Filme mit geringem Budget, so dass wir sie selber produzieren können und somit haben wir immer die volle Autorität über das, was wir machen. Wir nutzen auch unser eigenes Equipment und machen den Filmschnitt selbst. Kurz gesagt, sind wir eine völlig unabhängige Einheit. Und das gibt uns die Freiheit, kreativ zu sein. Wenn wir eine Idee haben, ist alles, was wir brauchen, eine Kamera, Licht und Ton. Wir drehen digital und transferieren dann auf 35 mm. Das gibt uns die Freiheit, Dinge auszuprobieren. Inzwischen sind die meisten Filmemacher in Deutschland mehr wie Bänker – ohne jeglichen philosophischen oder ästhetischen Beweggrund. Sie machen zurechtgeschnittene Filme, die überwiegend von den Finanziers entschieden werden, die von der Nachfrage des Marktzwanges abhängig sind. Wenn wir uns weiterhin von diesen Sachverwaltern der Geldgeber dominieren lassen, wird es nur noch Filme von der Stange geben. Die Filmemacher sollten wieder die Verantwortung für ihre Filme übernehmen. Ich hoffe mit unseren Filmen Mut zu machen, kreative Abenteuer wieder als Weg zu sehen. Mut zu machen, Filme zu entwickeln, die nicht nur im Büro desinged werden, sondern die der Kreativität der Filmemacher entspringen. Kino sollte wieder zu einer Stimme werden. Zu einer Stimme für diejenigen, die keine haben. Eine Stimme, die der Gesellschaft Fragen stellt. Antworten sind nicht so wichtig. Antworten sollten das Ergebnis einer Reflektion sein, die sich individuell in den Köpfen der Zuschauer entwickelt. Jeder Zuschauer sollte gewillt sein zu denken und eine eigene Interpretation finden … oder sie zumindest suchen. Es geht um die Auseinandersetzung mit sich selbst. Die Filme sind immer nur der Anstoss. Ich sehe meine Art des Kinos als Abenteuer des eigenen Geistes, das zum Denken provoziert. Sollen wir denn alles ohne Fragen akzeptieren?“ (Roland Reber)

SPEZIELLE ARBEITSWEISE

Teamwork – wörtlich genommen

PENTAMAGICA ist der zweite Teil der Trilogie von Roland Reber zum Thema Suche. Die Filme sind das Ergebnis von Teamwork. Zu Beginn der Dreharbeiten lag jeweils nur die weitgehend offenen Grundidee vor. Zusammen mit den Schauspielern wurden während der Dreharbeiten die Einzelcharaktere und die Grundstruktur der Geschichte entwickelt. Regisseur und Autor Roland Reber schrieb dann einige Szenen, die entweder gleich oder meist in den nächsten Tagen gedreht wurden. Es wurde nicht improvisiert. Auf diese Weise, Stück für Stück, entstand der Film.

Durch Gespräche, Diskussionen, Beschäftigung mit der Materie näherte sich jeder Einzelne immer mehr dem Kern der später dargestellten Form. Alles, auch Kamera und Licht und später Schnitt und Musik, entstand aus der kreativen Kraft des Teams heraus. Jeder Beteiligte konnte seine eigene Kreativität und seine eigenen Ideen einbringen. Es gab kein starres Festhalten an einer “Urkonzeption”, sondern eine permanente Neudefinition und Flexibilität des Ansatzes. Das ständige Hinterfragen bereits entwickelter Ideen war dabei genauso wichtig wie spontane Innovationen.

BESETZUNG

CHRISTIANE RÄTSCH                      Mira Gittner
SANDRA WOLF                                   Marina Anna Eich
HILDESWIN                                        Wilbur the Pig
ALICIA KRÄHLEIN                           Ute Meisenheimer
RITA STEINER                                    Claire Plaut 
PETRA KAROLL                                 Patricia Koch 

CLAIRE                                                 Ingrit Gabriel
MANN                                                   Manfred Gebauer
SCHLUCKENDER HAST                  Manfred Eich
VODOO PRIESTER                             Kader Kone
KRAFTLIED                                          Bernd Gittner
ARZT                                                      Thomas Sesar

und als Gast Meister Bernhard aus Polynesien

STAB

Regie                                                       Roland Reber
Buch                                                          Roland Reber
Produzentinnen                                       Marina Anna Eich, Ute Meisenheimer
Kamera                                                      Roland Reber, Mira Gittner
Schnitt/visual effects/Animation        Mira Gittner
Musik                                                         Wolfgang Edelmayer
Produktion                                                wtp international GmbH

Produktionsjahr                                        2002/2003
Drehzeit                                                    Juli – Dez 2002
Locations                                                  Oberbayern, Österreich, Ägypten, Libanon, Australien, USA

PREISE

SPECIAL AWARD for Montage (Schnitt) in Feature Films (5. Panorama of Int. Film, 2003, Thessaloniki, Griechenland)

FESTIVAL

Kalkutta Int. Filmfestival, Indien (Sektion: Roland Reber Films), 2003
Cairo Int. Filmfestival, Ägypten 2003  Int. Comedy Filmfestival, Istanbul, 2003
Panorama of Int. Film, Thessaloniki, Griechenland, 2004
Dakha Int. Filmfestival, Bangladesh (Sektion: „About Roland Reber“), 2004
Alexandria Internationales Filmfestival, Ägypten, 2004
Melbourne Underground Int. Filmfestival, Australien, 2004
International Filmfestival of India, Goa, 2009
Chennai International Filmfestival, India, 2009

  • „Erforschen des inneren Chaos durch das Paranormale“ (Hindustan Times, 12.November 2003, von Pratik Ghosh)
  • “Witzig, geistreich, charmant … ein wirklicher “feel good Film”. Die Schauspieler, einzeln und als Ensemble, sind wundervoll und sehr talentiert. Ich glaube, sie hatten eine grossartige Zeit während der Dreharbeiten und ihr Funke und Enthusiasmus überträgt sich auf die Leinwand. Die Regie, sowie das Drehbuch, ist glänzend und frisch. (Gordon Weaver, Filmpublizist, USA – leitete bei Paramount die Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit)
  • Reber, der Indien erstmals vor 12 Jahren besuchte, „sieht mit Angst in die Zukunft“, da die neue Weltordnung „nur Fun und Unterhaltung“ begehrt . …Die Generation nach dem Mauerfall ist nicht mehr an Kultur interessiert, „sie sind nur noch an Schuhen, T-Shirts, Essen und was IN ist interessiert.“ Sie haben die Basis des Lebens vergessen und haben ihren Weg verloren. „Heutzutage haben sie keine Antworten, sie haben noch nicht einmal mehr Fragen!“ Dieses Bedauern drückt sich in Pentamagica aus, der satirischen Komödie, die die „neue modische Besessenheit der Spiritualität und Magie“ anspricht. Ihnen gefällt der Klang des Wortes und sie verhalten sich wie ein Swami. „Schamanismus, Voodoo, Drogen, Hexerei – heute lesen sie ein Buch darüber und morgen erheben sie Anspruch darauf, es zu lehren, ohne jegliches Verständnis, was es bedeutet.“ Reber, 49,  hat  keine Geduld für dies. „Die 1. Welt schafft Probleme, sucht dann in der 3. Welt nach Lösungen“. Nur das ist keine wirkliche Beschäftigung mit Spiritualität. „Wenn du Religion praktizierst, kommt es von deinem Herzen. Es kann nicht funktionieren, nur weil es IN ist.“ “ (Times of India, 14.November 2003, R. Sengupta, Times News Network)
  •  „Mit schwarzem Humor wird dargestellt, wie die Schamanin beim Brauen magischer Tränke die ein oder andere Mixtur durcheinander bringt. Und schon landen die fünf „verhexten“ Freundinnen mit Vergiftungserscheinungen im Krankenhaus. „Die Komik des Films liegt darin, dass die Hobby.Esoterikerinnen ihr Fachgebiet toternst nehmen“, begründet Rolan Reber, „jedes Ritual ist echt, nur die Unachtsamkeit der Protagonistinnen führt zum falschen Ergebnis“, und somit zum Lacher. Dieser Film ist keineswegs Kritik an der Esoterik selbst, sondern an Menschen, „die am Samstag an einem Feuerlauf-Workshop der VHS teilnehmen und sich am Montag bereits als Guru ausgeben“, erklärt Reber. …“ (Landsberger Tagblatt, 2002)
  • “… Der Regisseur macht sich daran eine bizarre Welt der Magie und des Zaubers zu porträtieren. Alles in dem Film ist seltsam: die Dialoge, das Leben der Protagonisten und die abrupten Schnittfolgen … Der Regisseur will die Absurdität der Welt, in der wir leben, betonen. Der Zuschauer realisiert schnell, dass das ein besonderer Film ist. Jeder, der von dem traditionellen Geschichten-Erzählen gelangweilt ist, wird sehr viel Spass haben…“(The Egyptian Gazette, von Mahamoud Kassem, 3.12.2003, Ägypten)
  • „Roland Reber: Eine Institution in Regie.“ (Hindustan Times, kompletter Artikel)
  • „Die Freiheit zu erschaffen.“ (Times of India, kompletter Artikel)
  • „…Überraschungspaket der diesjährigen Auswahl…“ (Times of India, Kalkutta Film Festival, kompletter Artikel)
  • „Vom Suchen und Finden des eigenen Ichs.“ (kultur-insel, kompletter Artikel)
  • „wtp Filme sind filmische Konzeptkunst.“ (aVela Kunst-Magazin, kompletter Artikel)
  • „Die verbotenen Räume der Seele“ (Matrix 3000 über die Roland Reber-Reihe, kompletter Artikel)

SZENENFOTOS

INTERVIEW MIT ROLAND REBER (Buch und Regie / Kamera)

Sie wurden in der Theaterwelt umjubelt. Sie schrieben in der Vergangenheit viele Stücke, spielten und führten Regie. Was hat sie dazu veranlasst zum Film zu wechseln?

Ja, ich habe Theaterstücke geschrieben, war Regisseur, Theaterschauspieler und Schauspiellehrer in Deutschland und anderen Ländern. Unter anderem habe ich das Theater Institut in Hamburg 1981 gegründet und das Welt-Theater-Projekt 1989. Ein wesentlicher Teil meiner früheren Aktivitäten war,  interkulturelle Aspekte und innovative Techniken für Schauspieler und Regisseure zu entwickeln. Wenn ich etwas zu einem bestimmten Thema sagen wollte, schrieb ich ein Theaterstück und inszenierte es. Wie auch immer, es kam der Punkt, an dem mir bewusst wurde, dass die Bühne beschränkende Grenzen hat, die überschritten werden sollten. So kam ich zum Filmemachen, weil mir Kino mehr kreative Freiheit gibt. Für mich ist Filmemachen wie Sprechen und es ist näher an mir selbst. Jedoch, sowie ich mich selbst nicht völlig verstehe, verstehe ich auch meine Filme nicht völlig.  Auch wenn die Filme, die ich mache eine erkennbare Handschrift haben, so hängt mein Stil und die Handhabung des Filmemachens vom jeweiligen Thema ab und das kann sich vom einen zum anderen unterscheiden. Deshalb können die in Dänemark entstandenen „Dogma-Filme“ mit ihren festgesetzten Regeln nie meine Art des Filmemachens sein.

Sie haben einen völlig neuartigen Weg des Filmemachens und –produzierens. Wie sieht Ihre Arbeitsweise aus?

Die Filme entstehen in Team-Work  Am Anfang steht eine Idee, die dann von allen Beteiligten weiterentwickelt wird. Die Ideen kommen von überall her – von den Schauspielern, den Assistenten, der technischen Crew oder den Produzenten, die meist dieselben wenigen Personen sind, die viele Aufgabenbereiche gleichzeitig ausführen. So spielt zum Beispiel Mira Gittner in allen drei Filmen nicht nur die Hauptrolle, sondern ist auch in Eigenverantwortung für den Schnitt, also die letztendliche Filmkomposition, zuständig und hat sich mit mir zusammen die Kamera geteilt. Marina Anna Eich steht nicht nur in Hauptrollen vor der Kamera und co-produziert, sondern ist auch für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und den Verleih/Vertrieb der Filme zuständig, usw..

Bei Drehbeginn existieren nur ein paar Seiten als Drehbuch, basierend auf einer Idee, einem Konzept. Es könnte z. B. mit einem Monolog, einem Dialog oder einfach einer Textstelle beginnen, die ausgebaut, geändert werden und deren endgültige Fassung ich dann schreibe. Wie auch immer wird dieses dünne Skript zusammen mit den Schauspielern während der Dreharbeiten weiterentwickelt. Zum Beispiel bei The Dark Side of our Inner Space: der Drehort war in diesem Falle die Idee  – eine aufgegebe Militärkaserne. Die Schauspieler, die auch gleichzeitig die Crew waren, haben sich mit mir zusammen für ca. 6 Wochen täglich in der Kaserne getroffen und durch viele Gespräche über alles mögliche entstand Tag für Tag der Film. Ich glaube nicht an Geschichtenerzählen im narrativen Stil, da unser Leben auch nicht wie eine Geschichte mit vorgefasster Struktur und Ordnung geschrieben ist. „Das Leben ist ohne Text.“, heisst es in das zimmer. Es ist vielmehr multidimensional mit abrupten Übergängen und alle meine Filme beinhalten in irgendeiner Weise die Suche nach Leben, Identität und dem Selbst.

Sie arbeiten gerne immer wieder mit den gleichen Schauspielern bzw. dem gleichen Team zusammen und diese scheinen sich auch in einer ganz speziellen Weise zu engagieren, die sich dem konventionellen Schauspiel widersetzt.

Der harte Kern der Crew besteht mehr oder weniger aus denselben Personen, sei es vor oder hinter der Kamera, ähnlich wie bei einem Ensemble am Theater. Meine Beziehung zu den Schauspielern ist nicht die eines Dompteurs im Zirkus. Ich bitte sie mit ihrer eigenen Definition an die Rolle heranzugehen. Die Schauspieler versuchen, sich selbst mit den Rollen des Films zu verbinden, indem sie über sich selbst reflektieren und die Differenz zwischen Rolle und Person ermessen. Für mich beginnt Schauspiel berührend zu werden, wenn es persönlich und authentisch ist und das funktioniert besser, wenn die Schauspieler sich mit der Rolle auseinandersetzen und nicht reine Erfüllungsgehilfen eines Zirkus-Dompteurs sind. Schauspieler sind für mich eigenständige Künstler und wenn ich schon eine genaue Vorstellung der Rollen zu Beginn der Dreharbeiten hätte, dann bräuchte ich keine Schauspieler, sondern Marionetten, die einfach meine Instruktionen ausführen. Alle nehmen am kreativen Prozess teil.

Ihre Filme sind Kritik an der deutschen Gesellschaft. Wie wird das von ihren Landsleuten aufgenommen?

Im Allgemeinen sind die Deutschen dekadent geworden. Sie sind weitaus mehr an Geld und Karriere interessiert, als die Werte des Lebens zu hinterfragen. Meine Filme sind ein Blick in die zeitgenössische deutsche Kultur. Ich berühre die rohen Nerven der Gesellschaft, indem ich Fragen stelle, und deshalb können meine Filme unbequem sein. Auch wenn ich in den Filmen keine Antworten geben kann, mache ich die Leute auf die Angelegenheit aufmerksam.

Was ist Ihrer Meinung nach der beste Weg, ohne den gewohnten Druck des Marktes ein unabhängiger Filmemacher zu werden?

Der beste Weg ist der individuelle. Jeder Filmemacher sollte seinen eigenen Weg gehen. Wir machen die Filme mit geringem Budget, so dass wir sie selber produzieren können und somit haben wir immer die volle Autorität über das, was wir machen. Wir nutzen auch unser eigenes Equipment und machen den Filmschnitt selbst. Kurz gesagt, sind wir eine völlig unabhängige Einheit. Und das gibt uns die Freiheit, kreativ zu sein. Wenn wir eine Idee haben, ist alles, was wir brauchen, eine Kamera, Licht und Ton. Wir drehen digital und transferieren dann auf 35 mm. Das gibt uns die Freiheit, Dinge auszuprobieren. Inzwischen sind die meisten Filmemacher in Deutschland mehr wie Bänker  – ohne jeglichen philosophischen oder ästhetischen Beweggrund. Sie machen zurechtgeschnittene Filme, die überwiegend von den Finanziers entschieden werden, die von der Nachfrage des Marktzwanges abhängig sind. Wenn wir uns weiterhin von diesen Sachverwaltern der Geldgeber dominieren lassen, wird es nur noch Filme von der Stange geben. Die Filmemacher sollten wieder die Verantwortung für ihre Filme übernehmen. Ich hoffe mit unseren Filmen Mut zu machen, kreative Abenteuer wieder als Weg zu sehen. Mut zu machen, Filme zu entwickeln, die nicht nur im Büro desinged werden, sondern die der Kreativität  der Filmemacher entspringen. Kino sollte wieder zu einer Stimme werden. Zu einer Stimme für diejenigen, die keine haben. Eine Stimme, die der Gesellschaft Fragen stellt. Antworten sind nicht so wichtig. Antworten sollten das Ergebnis einer Reflektion sein, die sich individuell in den Köpfen der Zuschauer entwickelt. Jeder Zuschauer sollte gewillt sein zu denken und eine eigene Interpretation finden … oder sie zumindest suchen. Es geht um die Auseinandersetzung mit sich selbst. Die Filme sind immer nur der Anstoss. Ich sehe meine Art des Kinos als Abenteuer des eigenen Geistes, das zum Denken provoziert. Sollen wir denn alles ohne Fragen akzeptieren?

Mit „das zimmer“ gewannen sie eine Menge Preise. Hat das für sie etwas verändert?

Es war großartig, weil viele Menschen am Anfang nicht an uns glaubten.

Wie kam es dazu?

Mira Gittner verschickte VHS Kopien an Festivals in der ganzen Welt. Als ich das mitbekam, fing ich an, mich über sie lustig zu machen und erzählte ihr, es sei sinnlos und niemand würde uns je antworten. Doch plötzlich kamen tatsächlich Einladungen zur Tür herein und jeder nannte uns die „Ueberraschungs-Filmemacher“. Wir reisten von Ungarn nach Spanien und hatten viel Spass.

Wann wurde es ernst?

Als wir jemanden für die Öffentlichkeitsarbeit brauchten.  Wir hatten bereits eine Einladung für das Film-Festival in Mexiko und brauchten dafür jemanden, der öffentliche Auftritte mochte: Marina Anna Eich. Ihr gefiel das. Mira Gittner ist sehr kreativ, aber öffentlichkeitsscheu. Wir waren also beim Filmfestival in Mexiko und saßen entspannt bei der Preisverleihung, mit einem Preis hatten wir niemals gerechnet. Und dann gaben sie bekannt: „Der President’s Award für den Besten Spielfilm:  Das Zimmer.“ Es brauchte eine Weile bis wir begriffen, dass wir gemeint waren.

Haben Sie Vorbilder?

Nein. Es gibt viele, die ich mag, aber niemand, der meine Arbeit auf irgendeine Weise beeinflusst hätte. Das ist ein Problem bei vielen Regisseuren, sie versuchen Hollywood oder wen auch immer zu imitieren und werden somit auch nie mehr als eine Kopie bleiben. Ich bevorzuge immer das Original.

Sie bezeichnen die drei Filme der Roland Reber Filmreihe auch als Trilogie? Was ist der gemeinsame Kern?

Die drei Filme haben alle das Thema der SUCHE gemein, Fragen wie: Wer sind wir oder woher kommen wir? Der erste umgesetzt als ein Psycho-Thriller, der zweite als eine schwarze Komödie und der dritte als ein Drama.

Worin liegt der Unterschied?

In der Geschichte, die jeweils erzählt wird. Jeder Film steht für sich alleine.

Wie kamen Sie auf die Idee zu das zimmer?

das zimmer verdankt seine Realisation einer Umzugskiste. Vor vielen Jahren, ca. 1985 , schrieb ich aufgrund einer Wette ein kurzes Manuskript mit der Grundgeschichte des verschlossenen Zimmers. Ein befreundeter Redakteur sagte mir, es sei unmöglich, in kurzer Zeit eine Geschichte zu schreiben, die sowohl Spannung als auch Erotik beinhaltet. Das spornte mich an und ich schrieb das Manuskript in einer Nacht. Die Wette habe ich gewonnen. Viele Jahre später kam beim Archivieren meiner Texte dieses Manuskript wieder zum Vorschein und so entstand der Film.

Warum haben Sie für The Dark Side of our Inner Space einen englischen Titel gewählt?

Im März 2003 teilte mir der Direktor des Calcutta International Filmfestivals mit, dass er im November eine „Roland Reber Filmreihe“ bei seinem Festival machen wolle. Diese „Special Section“ eines Regisseurs beinhaltet allerdings immer drei Spielfilme, bis zu diesem Zeitpunkt existierten aber nur das zimmer und Pentamagica. „Ok“, sagte ich, „Du wirst im November drei Filme zeigen können, versprochen.“ Daraufhin wollte er den Titel und den Plot von dem dritten Film wissen. „Es geht um die verborgenen Seiten in uns, um die dunkle Seite unserer Seele.“, improvisierte ich spontan. Und da das Gespräch in Englisch stattfand, entstand so der englische Titel „The Dark Side of our Inner Space“. Nachdem das Versprechen nun gegeben war, musste nur noch ein Spielfilm entwickelt, gedreht und geschnitten werden. Wir hatten ein halbes Jahr Zeit, denn im Oktober musste die 35 mm – Kopie in Calcutta sein. Wir haben es geschafft. The Dark Side of our Inner Space hatte seine Weltpremiere im November 2003 beim Calcutta International Filmfestival.

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