Die Wahrheit der Lüge2019-01-16T11:26:55+00:00
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DIE WAHRHEIT DER LÜGE

ein Film von Roland Reber
Deutschland 2011, Psycho-Thriller, 98 min, FSK 16

  • „Meisterwerk. Ein Projekt, das das intensivste psychologische Kammerspiel der letzte Jahre darstellt “ (Deadline)
  • “ Mal feinfühlig, mal gnadenlos schockierend und erbarmungslos unkonventionell. Eine Art MASTERPUZZLE des Films.“ (movieworlds.com)
  • „Die Wahrheit der Lüge“ beeindruckt die Zuschauer in erotisch-ästhetischer Hinsicht“(Filmecho)

seit 27.07.2012 auf DVD & Blu-ray
Deutschlandpremiere: Hofer Filmtage 2011
Kinostart: 29.03.2012

Mit Christoph Baumann, Marina Anna Eich, Julia Jaschke, Antje Nikola Mönning
Kamera und Schnitt: Mira Gittner. Lichtgestaltung & Kameraassistenz: Steffen Neder
Musik: Wolfgang Edelmayer
Herstellungsleitung: Marina Anna Eich
Produzenten: Patricia Koch, Marina Anna Eich, Roland Reber, Antje Nikola Mönning
Buch und Regie: Roland Reber
Produktion, Verleih & Vertrieb: wtp international GmbH

„Was echt ist und nicht, entscheidet die Sicht“.

Ein AUTOR (Christoph Baumann) hält in einem unterirdischen Labyrinth zwei Frauen gefangen: die MUTIGE (Marina Anna Eich) und die ZÖGERLICHE (Julia Jaschke). Er will sie zu Grenzerfahrungen bringen, auf den „Gipfel“.  Er foltert sie körperlich und geistig. Doch seine Methoden führen nicht zum gewünschten Ergebnis. Seine VERLEGERIN (Antje Nikola Mönning), eine undurchsichtige Frau, treibt ihn weiter und weiter. Sie plant das Extrem. Wer spielt mit wem? Wer bringt wen an seine Grenzen? Ein faszinierendes Spiel um Macht beginnt und der Autor sitzt plötzlich zwischen den Stühlen. Die Führung entgleitet ihm und er wird selbst in das Spiel katapultiert. Es werden Regeln aufgestellt, nur um sie gleich wieder zu brechen. Es scheint ein Kampf gegen die Zeit zu sein, denn eine Countdown-Uhr läuft unaufhaltsam gegen Null. Was geschieht, wenn die Uhr abgelaufen ist? Nichts scheint zu sein, wie es ist.

„Grenzerfahrungen sind nur an der Grenze möglich. Aber wo ist die Grenze, wo der Zöllner?“

ANMERKUNG DES REGISSEURS

„Es ging mir nie um die reale Darstellung von zwei gefangenen Frauen, sondern um die Metapher der Gefangenschaft, die wir Leben nennen.“ (Roland Reber)

Gedicht aus dem Film (Roland Reber):
„Ich glaube nicht an dich und suche stets nach dir.
Ich weiß genau es gibt dich nicht und doch bist du in mir.
Ich werde dich wohl niemals finden, weil es dich ja garnicht gibt.
Doch die Such hält mich am Leben und ich such solang ich leb.“

DIE WAHRHEIT DER LÜGE ist wie alle Produktionen der wtp international GmbH ohne Förderung und mit der Kreativität und dem Engagement aller Beteiligten entstanden, mit einem kleinen Team und einer vielfältigen Aufgabenverteilung innerhalb des Ensembles.

Gefilmt mit der ARRI ALEXA ist DIE WAHRHEIT DER LÜGE am 29. 3. 2012 ins Kino gekommen und seit 27. Juli 2012 auf BluRay und DVD erhältlich.

Das Besondere der wtp international Filmproduktion liegt in der kompromisslosen Hingabe zum Film, die das Filmproduktions-Team seit vielen Spielfilmen zusammenschweißt, sowie in der Produktionsweise – Drehbuch, Produktion, Schnitt, Verleih, Vertrieb, DVD-Label, Pressearbeit kommen aus dem selben Haus – und die konsequente Ablehnung von Produktionsfördergeldern und Senderbeteiligung, um die kreative Freiheit zu wahren.

„Diese Arbeitsteilung hat sich bei sechs Kinofilmen bewährt und wird auch bei den nächsten Filmen beibehalten.“ (Roland Reber)

VON DER IDEE ZUM FILM

„Zuerst gab es den Drehort. Ich hatte einige Monate vor Drehbeginn diese stillgelegte Fabrikhalle gesehen und wollte unbedingt in dieser Kulisse einen Film machen. Da gab es nur den Drehort und die Grundidee – ein Mann hält zwei Frauen gefangen, aber noch kein Drehbuch. Ich wusste nur, es soll ein klaustrophobischer Film werden, deshalb auch ein kleines Produktionsteam und ein kleines Ensemble. Nach einem gemütlichen Nachmittag Brainstorming mit den Hauptdarstellern habe ich das Drehbuch geschrieben und dann haben wir angefangen zu drehen.“ (Roland Reber)

Nach 14 Drehtagen mit der Arri Alexa, 16 Stunden Material, 40 Cheeseburger, 1 Karton PowerGel, mit wenig Schlaf und viel Engagement aller Beteiligten, wurde der Film schließlich nach 36 Tagen Postproduktion im Oktober 2011 fertiggestellt und auf den Hofer Filmtagen präsentiert.

SPEZIELLE ARBEITSWEISE

„Die besondere Arbeitsweise von wtp international erlaubt es den kreativen Prozess zu fokussieren.  Ich entwickle das Drehbuch und mache die Schauspielregie am Drehort. Mira Gittner ist für die Bilder und den Schnitt verantwortlich. Nach dem letzten Drehtag zieht sich Mira in ihr Schneidestudio zurück und verlässt dieses erst wieder nach getaner Arbeit. Ich sehe den Film wenn der Rohschnitt fertig ist. Diese Arbeitsteilung hat sich bei sechs Kinofilmen bewährt und wird auch bei den nächsten Filmen beibehalten.“ (Roland Reber)

Filmemachen als kreatives Abenteuer zu verstehen, ist typisch für Roland Reber und das wtp-Team. Mit einem kleinen Team und einer vielfältigen Aufgabenverteilung innerhalb des Ensembles entsteht so ein Gesamtkunstwerk, zu dem jeder Beteiligte eine kreative Beziehung hat. So ist Roland Reber nicht nur Regisseur sondern auch Autor und Co-Produzent, Antje Nikola Mönning hat neben ihrer Rolle der VERLEGERIN auch produziert und die Regieassistenz übernommen, Marina Anna Eich hat neben ihrer Rolle der MUTIGEN auch die Organisation der Produktion übernommen und ist zuständig für den Verleih, die Pressearbeit und die Vermarktung des Films. Mira Gittner war für die Kamera und den Schnitt verantwortlich.

Diese Vorgehensweise lässt viel Raum für spontane Ideen während des Drehs. So entstanden zum Beispiel die Folterszenen erst am Set. Die Dialogszenen standen im Drehbuch, die Folterungen waren im Drehbuch nur mit „diverse Quälereien“ bezeichnet. Am Drehort selbst entwickelten die Schauspieler zusammen mit dem Team die konkrete Umsetzung der „diversen Quälereien“. Jeder konnte seine Ideen und Kreativität einbringen.

„Dieses Mal gab es zwar zu Anfang ein Drehbuch, wobei meine Drehbücher nur eine Grundlage für die Schauspieler sind, ihre Rollen zu entwickeln. Und wie beim Autor im Film, so ist ein Drehbuch immer erst eine theoretische Angelegenheit, die meiner Meinung nicht zu starr sein sollte, damit man beim Drehen noch die Möglichkeit hat, der Geschichte freien Lauf zu lassen. Und die Theorie sieht in der Umsetzung oft ganz anders aus. So haben wir das Ende während der Dreharbeiten zusammen geändert, da es in der jetzigen Form stimmiger ist. Schreibe ich das Buch oder werde ich geschrieben?“ (Roland Reber)

DREHORTE

Bei DIE WAHRHEIT DER LÜGE wurde großer Wert darauf gelegt, an Originalschauplätzen zu drehen, um den authentischen Charakter darzustellen. Die stillgelegte Fabrikhalle und deren unterirdisches Labyrinth waren ideal, um die klaustrophobische Stimmung einzufangen und das Verwirrspiel der wechselnden Realität. Zum einen ganz real im Gefängnis der Frauen, zum anderen in der Weite der Halle, in der der Einzelne nur noch verloren wirkt. An diesen Orten fernab von den täglichen Ablenkungen, haben die Protagonisten die Chance, die Aufmerksamkeit auf sich zu richten und die inneren Strukturen des eigenen Geistes zu erkennen.

„Ein Filmstudio ist immer Kulisse, der das Leben fehlt. Es ist und bleibt ein künstlicher Ort. Wir wollten an Orten drehen, die es allen Beteiligten erlaubten die Authentizität zu spüren. Und wie sich in der Geschichte immer wieder die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge verschiebt, so verschiebt sich auch die Örtlichkeit – es beginnt unten im Gefängnis der Frauen, ein Keller mit vielen abgehenden Gängen, also vielen Möglichkeiten und führt mit den Inszenierungen immer höher in die Fabrikhalle mit ihren Gerüsten, also dem „Gipfel“ entgegen, immer wieder unterbrochen durch die Bar, die Außenwelt.“ (Mira Gittner)

BESETZUNG

DER AUTOR                                            Christoph Baumann
DIE MUTIGE                                           Marina Anna Eich
DIE ZÖGERLICHE                                 Julia Jaschke
DIE VERLEGERIN                                 Antje Nikola Mönning

STAB

Buch und Regie                                           Roland Reber
Produzenten                                                 Patricia Koch, Marina Anna Eich, Roland Reber, Antje Nikola Mönning
Herstellungsleitung                                     Marina Anna Eich
Regieassistenz                                               Antje Nikola Mönning
Kamera und Schnitt                                     Mira Gittner
Lichtgestaltung/Kameraassistenz             Steffen Neder
Musik                                                            Wolfgang Edelmayer, Eric Zwang-Eriksson
Produktionsassistenz                                    Claire Plaut, Ute Meisenheimer
Produktion│Verleih│Vertrieb                     wtp international GmbH

Produktionsjahr                                               2011
Drehzeit                                                             August / September 2011
Postproduktion                                                September / Oktober 2011
Drehorte                                                             Augsburg, Landsberg/Lech

Hofer Filmtage 2011
International Film Festival of India, Goa, 2011
Chennai International Film Festival, Indien, 2011
Pune International Film Festival, Indien, 2012
Fantasporto Film Festival, Portugal, 2012
SITGES International Film Festival, Spanien, 2012
Cairo International Film Festival, Ägypten, 2012
Fetisch Film Festival, Kiel, 2012
International Film Festival of Fiji, 2013

  • „Die Filme von Roland Reber und seinem kleinen verschworenen Team sind Fundstücke eines unabhängigen Kinos, wie es selten ist in der internationalen Kinolandschaft.“ (Feuilleton, Süddeutsche Zeitung; kompletter Artikel, Fritz Göttler)
  • „Für Aufsehen sorgte auch Regisseur Roland Reber mit seinem neuesten Werk DIE WAHRHEIT DER LÜGE. Ein verstörendes Verwirrspiel der Gefühle!“ (3sat.de über die Hofer Filmtage 2011)
  • „Meisterwerk. Ein Projekt, das das intensivste psychologische Kammerspiel der letzte Jahre darstellt“ (Deadline; kompletter Artikel)
  • „‚Die Wahrheit der Lüge‘ ist beklemmend wie faszinierend. Dem Team um Roland Reber ist ein sehr atmosphärischer und über weite Strecken dicht erzählter Thriller gelungen, irgendwo zwischen dem wilden Charme der deutschen Autorenfilmerlegende Klaus Lemke („Berlin für Helden“) und der düsteren Sinnlichkeit des französischen Horror-Grenzgangs „Martyrs“.“(Filmstarts.de, kompletter Artikel)
  • wtp ist im großen Kino angekommen. … Menschliche Abgründe auszuleuchten, ist eine der großen Fähigkeiten von Roland Reber, er hat nur seinen Stil etwas geändert.“ (filmjournalisten.de, kompletter Artikel)
  • „Die Wahrheit der Lüge“ beeindruckt die Zuschauer in erotisch-ästhetischer Hinsicht“ (Filmecho, kompletter Artikel)
  • „Komplett ohne Inanspruchnahme von öffentlichen Geldern haben sie auch diesmal mit sehr begrenzten Mitteln ein Werk erschaffen, das für den einen oder anderen kontroversen Gesprächsstoff sorgen wird. ….wunderbare lange Kamerafahrten und warme Bilder.“ (cinetastic.de, kompletter Artikel)
  • „‚Die Wahrheit der Lüge‘ zeichnet sich durch seinen Minimalismus und seine Direktheit aus. Die für den Zuschauer beklemmende Stimmung wird nicht nur durch die überzeugenden Darsteller erzeugt. Auch das minimalistische Setting trägt zu diesem Eindruck bei.“ (filmreporter.de)
  • “ Mal feinfühlig, mal gnadenlos schockierend und erbarmungslos unkonventionell… Eine Art MASTERPUZZLE des Films.“ (movieworlds.com, kompletter Artikel)
  • „Schräge Arthausperle.“ (digitalvd.de)
  • „Fast ein ganz eigenes Genre…!“ (maschseeperlen.de, kompletter Artikel)

SZENENFOTOS

MAKING-OF FOTOS

INTERVIEW MIT ROLAND REBER (Regisseur / Autor / Produzent)

Was ist für Sie das zentrale Thema des Filmes?

Wie alle unsere Filme hat der Film mehrere Ebenen. Eine oberflächliche Ebene: ein Mann hält zwei Frauen gefangen und wird von seiner Verlegerin immer weiter getrieben, bis er selbst im Kerker sitzt. Die zweite Ebene wäre: Es geht um Bedenkenlosigkeit. Die Frauen sind bedenkenlos, weil sie sich einfach einem Experiment hingeben ohne die Implikationen zu berücksichtigen. Der Autor ist bedenkenlos, weil er es nicht genau vorbereitet hat, weil er gar nicht weiß, was das ist, „der Gipfel“. Nur die Verlegerin ist nicht bedenkenlos, das wäre die Ebene darunter. Noch eine tiefere Ebene wäre: Ich, Es und Über-Ich. Das Freudsche Modell.  Der Autor und die beiden Gefangen sind eine Person, die Verlegerin ist das Leben, die sie austestet, die sie scheitern lässt, die die Konzepte auflöst. Und darunter gibt es noch ein paar Ebenen, aber die soll der Zuschauer selbst herausfinden.

Sie haben eine besondere Art des Filmemachens. Wie sieht diese Arbeitsweise aus?

Das ist eine Unterstellung, dass ich eine besondere Arbeitsweise hätte. Meine Arbeitsweise ist ganz einfach: Let it be! D.h. ich überlasse den Schauspielern, die ich als Künstler sehe und nicht als Erfüllungsgehilfen, die Aufgabe ihre Rolle zu gestalten. Lenke sanft, diskutiere viel, lasse mich auf die Schauspieler ein, die dann auch letztendlich einen Großteil des Films gestalten. Es heißt zwar immer -gegen meinen Willen, das möchte ich ausdrücklich betonen – ein Roland Reber Film, aber es ist ein Gemeinschaftswerk: Mira Gittner macht sehr viel: die Kamera, den Schnitt, oft spielt sie auch die Hauptrolle. Antje Nikola Mönning ist gleichzeitig meine Regieassistentin, Marina Anna Eich ist Vertriebs- und Verleihchefin, Pressefrau. Jeder hat mehrere Aufgaben. Dann kommt noch Patricia Koch, Ute Meisenheimer und Claire Plaut hinzu. Also es ist ein Gemeinschaftswerk. Es sind wtp-Filme.

Sie machen ihre Filme ohne Förderung. Hat das einen bestimmten Grund?

Ja. Förderung annehmen ist sich in die Situation der zwei Frauen begeben. Man kriegt Geld für eine gewisse Zeit und ein gewisses Projekt, ist dann aber den Sadisten vollkommen ausgeliefert. Dann kommt noch eine Sendeanstalt hinzu, das Ganze ist dann die Verlegerin, die alle ins Unglück treibt. Zum Schluss bleibt vom eigenen Film nichts übrig, außer der Titel und dass man sich Produktionsfirma nennen darf. Das ist eine bewusst herbeigeführte Abhängigkeit, wo dann jeder pickelige junge Arbeitslose, der einen Vater im Aufsichtsrat hat, zum Redakteur ernannt wird und dann bestimmen darf, in voller Unkenntnis der Situation, was geschieht, wer besetzt wird, welche Szenen rauskommen, auf welche Festivals er darf. Förderung? Nein danke.

Wie wurden die Folterszenen umgesetzt?

Mit viel Spaß, Lust und guter Laune. Es ist ja alles ein Film. Wenn man sich Teile des Making-Of ansieht, dann wird man sehen, dass es so grausam gar nicht war, wie es vielleicht rüberkommt. Es hat jedenfalls sehr viel Spaß gemacht, zumindest mir.

Warum sind die Frauen in den Folterszenen nackt?

Er entblößt sie. Seelisch und geistig und körperlich.

Was bedeutet der Titel?

In jeder Lüge steckt die Wahrheit und in jeder Wahrheit die Lüge. Das ist voll aus dem Leben gegriffen. Was ist eigentlich Wahrheit? Was ist der Gipfel? Das sind alles ganz wichtige Fragen, die sich jeder stellen sollte. Wir werden jeden Tag von den Sendeanstalten, von den Printmedien oder vom Internet informiert: das ist die Wahrheit, das haben wir jetzt aufgedeckt, das machen wir jetzt publik. Was ist daran wahr, was ist Fiktion, was ist Manipulation. Aber in jeder Lüge steckt auch die Wahrheit, und in jeder Wahrheit die Lüge.

Was ist ihr nächstes Projekt?

Das wird jedes Jahr bei den Cannes Film Festspielen entschieden. Das ist ein altes Ritual seit dem Film „24/7 The Passion of Life“, der auch dort entschieden wurde, durch Zufall übrigens. Seit der Zeit wird immer nach Cannes festgelegt, was das nächste Projekt ist. Nach dem jetzigen Prognose stand, wird es „Großer Parkplatz Nr.7“ sein, ein Film über Parkplatzsex.

INTERVIEW MIT CHRISTOPH BAUMANN (Rolle: DER AUTOR)

Was hat Sie an dem Drehbuch gereizt?

Die Figur des Autoren und die neuartige Erzählweise des Themas: Ein Mann hält zwei Frauen als Geiseln und doch ist alles anders, als es zunächst scheint. Warum wirken die Figuren so künstlich? Warum handeln sie nicht? Welche Ziele verfolgen die Figuren? Für mich war das Drehbuch eine konzentrierte Form von THE DARK SIDE OF OUR INNER SPACE – dichter, klaustrophobischer, spannender und unbarmherziger.

Wie war die Zusammenarbeit mit Roland Reber und dem Team von wtp mit ihrer speziellen Arbeitsweise?

Ich kannte die Zusammenarbeit ja schon von vorhergehenden Produktionen (THE DARK SIDE OF OUR INNER SPACE, 24/7 THE PASSION OF LIFE) und wurde nicht von der sehr engen, intensiven und familiären Arbeitsweise überrascht. Am „speziellsten“ waren wohl die ausgedehnten Gespräche über das Buch, die Motivation der Figuren und Assoziationen, die die Probenarbeit – aber auch die Pausen – beherrschten und es mir ermöglichten, tief in die Gedanken- und Gefühlswelt des Autoren abzutauchen.

Was ist das Besondere an der Rolle des Autors? Gibt es Parallelen zum eigenen Leben?

Der Autor verrennt sich in eine Idee ohne konkretes Ziel – für mich eine sehr nachvollziehbare Rolle. Er hat sich alles so schön ausgedacht – mit Hingabe die Folterungen, die Quälereien entworfen, sein Kopfkino bemüht – und muss am Ende erkennen, dass sein grandioser Plan von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Und daß das nicht etwa am Plan oder den Frauen liegt, sondern einzig allein am ihm selbst.

Was ist für Sie das zentrale Thema des Filmes?

Ja; mach nur einen Plan; sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch´nen zweiten Plan; gehn tun sie beide nicht.
Denn für dieses Leben; ist der Mensch nicht schlecht genug:
doch sein höh´res Streben; ist ein schöner Zug.

Gibt es eine Anekdote vom Dreh?

Ich war tatsächlich gespannt, wie die „Waterboarding“-Folter funktionieren würde – zu unserer aller (inklusive Marina Anna Eichs) Überraschung hat sie so hervorragend funktioniert, dass sie Mira Gittner im Schnitt wohl einiges Kopfzerbrechen bereitet hat.

Gab es für Sie schwierige Szenen? Gibt es eine Lieblingsszene?

Der endgültige Umschwung des Autors im letzten Drittel des Filmes (Die „Sofaszene“) war gleichzeitig für mich die schwierigste – aber auch die Lieblingsszene. Ich sehe hier den bedeutendsten Einschnitt der Figur und gleichzeitig den Anfang vom Ende.

Haben Sie persönlich eine Grenzerfahrung erlebt?

Keine Grenzerfahrungen, doch ich war überrascht, wie stark sich das „Kopfkino“ von der Wirklichkeit unterscheiden kann. Szenen, die man sich beim Studium des Drehbuches intensiv vorgestellt hat, haben beim Spiel eine völlig neue Bedeutung bekommen. Und das gerade bei einem Thema, bei dem die Vorstellungskraft die entscheidende Triebfeder spielt.

INTERVIEW MIT MARINA ANNA EICH (Rolle: DIE MUTIGE / Produktion und Verleih / PR)

Was hat sie an der Rolle gereizt?

Die Rolle ist sehr gefasst und ruhig und versucht überlegt zu handeln in einer doch sehr schweren Situation, deren Ausgang sie nicht abschätzen und der jederzeit mit dem Tod enden kann. Ein Charakter, der so gar nicht dem meinem entspricht. Ich würde in einer solchen lebensbedrohlichen Situation doch eher in die Hysterie abgleiten.. Aber gerade dieser Gegensatz hat mich gereizt und war gleichzeitig eine Herausforderung.
Beide Gefangenen durchleben verschiedenste Folterungen nackt, damit der Autor, wie er sagt, sie auf den Gipfel bringt. Nacktheit hat jedoch hier nichts mit Sexualität zu tun. In diesem Fall ist sie ein Symbol für die Purheit der Seele, ein Ausdruck für Klarheit, das Reine, Ungetrübte. Quasi die Vorbereitung auf einen unbefleckten Geist, den der Autor für beide zu erstreben versucht.

Was ist für Sie persönlich die Aussage des Filmes?

Für mich ist der Film ein Symbol. Eine Metapher für die Verschmelzung von Jenseits und Diesseits. Die beiden Gefangenen stehen für zwei menschliche Gegensätze. Die Verlegerin symbolisiert das Schicksal, das mit Ratschlägen oft hart und unbarmherzig,  aber unterstützend eingreift und alle Fäden in der Hand hat. Der Autor ist eine Mischung und steht zwischen Diesseits und Jenseits, als eine Art Vermittler, der beide Gefangene auf den Weg zur Selbsterkenntnis bringen bzw. ihnen einen Schubs in Richtung „Erlösungsweg“ geben möchte. Durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema kommt auch der Autor in menschliche Selbstzweifel, die ihn letztlich selbst mehr und mehr in Richtung „Selbsterkenntnis“ führen. Somit hat der Film für mich etwas sehr religiöses.

Gibt es Lieblingsszenen bzw schwierige Szenen?

In der Kreuzszene versucht der Autor der Mutigen in einem Dialog die Begriffe „Vertrauen und Wahrheit“ näher zu bringen, in dem er sie stundenlang nackt am Kreuz hängen lässt. Es ist die entscheidende Szene, in der man auch die Verletzlichkeit der Mutigen zu Gesicht bekommt. Sie ist kurz davor zu brechen. Ein innerer Kampf: einerseits ihre Fassung nicht zu verlieren und andererseits extrem gedemütigt zu werden und in Todesangst zu schweben.  Dieser Kampf war für mich auch gleichzeitig eine der schwersten Szenen.

Hatten Sie persönlich schon einmal eine Grenzerfahrung?

Von uns Schauspielern kam die Idee „Waterboarding“ als eine der Folterungen zu nehmen. Schon nach wenigen Sekunden wird durch Ausnutzen des Würgereflexes physiologisch der Eindruck unmittelbar drohenden Ertrinkens hervorgerufen. Dass das Gefühl der Todesangst bereits so schnell einsetzt, hätte ich nie gedacht.  Im Nachhinein betrachtet war es eine interessante Erfahrung. Nun kann ich sehr gut nachvollziehen,  warum diese Art der Folter in weniger als einer Minute zum gewünschten Ergebnis führt.
Eine weitere Grenzerfahrung hatte ich nach dem Aufwachen einer Vollnarkose, bei der ich auf Grund dessen, dass die Atemwege extrem trocken waren, das Gefühl hatte zu ersticken und in Todesangst geriet.

INTERVIEW MIT ANTJE NIKOLA MÖNNING (Rolle: DIE VERLEGERIN / Produzentin / Regieassistenz)

Was hat Sie dazu bewogen, die Rolle der Verlegerin zu spielen?

Ich finde es toll, dass ich als Schauspielerin die Möglichkeit habe, so viele unterschiedliche Facetten des Menschens zu erkundschaften und diese in meiner Darstellung auszukosten. Für mich ist es wichtig, mich selbst und die Zuschauer mit jeder Rolle von Neuem zu überraschen. Deswegen wollte ich nach der „verlogenen geilen Schlampe“ Lucy aus ENGEL MIT SCHMUTZIGEN FLÜGELN  unbedingt eine ganz andere Rolle spielen.
Meine Figur in DIE WAHRHEIT DER LÜGE, die Verlegerin, ist auch extrem, aber auf eine ganz andere Weise: sie ist kompromisslos, undurchschaubar, hat ein sehr klares Ziel und verfolgt dieses ohne Rücksicht auf menschliche Gefühle und am Rande der Legalität. Sie ist für mich in dem Film auch die Einzige, die bereit ist, über Grenzen zu gehen. Und gleichzeitig ist sie der Zöllner, der letzten Endes bestimmt, wer über die Grenze darf und wer nicht. Während Lucy nicht wusste, was sie eigentlich will, und von Anderen angetrieben wurde, ist die Verlegerin die Spielführerin. Das hat mich so an der Rolle gereizt.

 

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