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ENGEL MIT SCHMUTZIGEN FLÜGELN

ein Film von Roland Reber und Mira Gittner
Deutschland 2009, Erotik-Drama, 86 min, FSK 18

  • „Skandal-Film.“ (BILD)
  • „Mit das Aufregendste, was das deutsche Kino aktuell zu bieten hat.“ (Filmstarts.de)
  • „Easy Rider auf dem Weg zur sexuellen Selbstfindung . Dem Regisseur und seinem Team gelingt eine würdevolle, intensiv tabulose Dynamik.“  (AZ München)

seit 24.09.2010 auf DVD erhältlich
Deutschlandpremiere: Hofer Filmtage 2009
Kinoauswertung: März – Mai 2010

Mit Antje Nikola Mönning, Mira Gittner, Marina Anna Eich, Maren Scholz, Martin Kagerer
Kamera: Mira Gittner, Roland Reber. Schnitt: Mira Gittner
Musik: Wolfgang Edelmayer
Herstellungsleitung: Marina Anna Eich
Produzenten: Patricia Koch, Marina Anna Eich, Roland Reber, Antje Nikola Mönning
Buch und Regie: Roland Reber
Produktion, Verleih & Vertrieb: wtp international GmbH

Drei Frauen – Keine Moral. Der Himmel kann warten.

„Moral ist die Entschuldigung all derer, die sich nicht trauen ihre Wahrheit zu leben.“ Nur kastrierte Engel brauchen Moral.

Der neue Film von Roland Reber und Mira Gittner ist eine Hymne auf die Unmoral. Ein Hohelied des Egoismus und eine schmerzhafte Studie über unsere Zeit und eine Generation, die sich ihre Gefühle leiht.

„Hauptsache es passiert was. Irgendwas.“

Zwei Frauen sitzen gelangweilt auf einem Garagendach, hinter ihnen blauer Himmel. Sie sind weder auf der Erde, noch im Himmel, sondern irgendwo dazwischen. Langsam fährt die Kamera auf ihre Gesichter. Es folgen rasante Fahrtaufnahmen der drei Protagonistinnen Michaela (Mira Gittner), Gabriela (Marina Anna Eich) und Lucy (Antje Nikola Mönning) auf ihren Motorrädern. Sie durchstreifen die Lande, um ihre Lust zu leben. Sie könnten viel sehen, aber sie sehen nur sich. Sie nennen sich selbst Engel. Aber sie sind Engel des Lasters. Um ganz ins Exil-Paradies der Engel  mit schmutzigen Flügeln aufgenommen zu werden, muss Lucy erst noch vor sich und den beiden anderen bestehen. „Sei, was du bist. Erst dann bist du eine von uns.“

Sie gibt ihnen ihre Tagebücher und Briefe zu lesen, damit die beiden sie besser kennenlernen. In den Tagebüchern geht es nur um Sex und Berechnung, umschrieben mit einem Zuckerguss aus Selbstbetrug. Sie vernascht Männer nach Lust und Laune , wobei sie ihnen erzählt, was diese hören möchten. Das macht sie für Michaela und Gabriela eindeutig zu einer reinrassigen Schlampe, Lucy selbst fühlt sich aber als unschuldiges nettes Mädchen, das nur genießt, was das Leben ihr so bietet. Michaela und Gabriela raten Lucy, sich nicht hinter Ausreden und Erklärungen zu verstecken, sondern ihre Lust und sich selbst zu sehen und zu leben. „Und was soll ich tun?“ fragt Lucy. Gabriela antwortet: „Eine geile Schlampe sein.“ „Ich ficke, also bin ich“ ist nun Lucys neues Motto.

Im Verlauf der Geschichte zerbricht das Kartenhaus von Lucys Ausreden und Erklärungen. Die beiden zeigen ihr auf unterschiedliche Weise die Macht ihrer Handlungen und lassen sie zum ersten Mal bewusst ihre Grenzen und Bedürfnisse erkennen und erleben. So trifft sie auf Martin, den sie bewusst über ihre Sexualität zu kontrollieren versucht und geht in den Puff, um sich ihrer Lust ganz hinzugeben. „Ich bin, wenn ich die geilen Blicke auf mir spüre. Ich bin, wenn ich beschmutzt werde. Schmutz ist Leben. Und ich will leben.“ Es ist die ungezügelte Sucht nach Leben, die sie antreibt – doch wonach sucht man eigentlich in seinem Leben? „Ohne Liebe sind wir leere Hüllen in einer leeren Welt.“

„Als Gott die Welt erschaffen hatte, begann er sich zu langweilen. Und die Engel langweilten sich mit ihm.  Und als er seine eigenen Gebote betrachtete, langweilte er sich noch mehr. Und die Engel mit ihm. Und als er viele von den Engeln zu Tode gelangweilt hatte, flohen die Überlebenden und leben jetzt unter den Menschen. Sie haben sich geschworen, sich nie wieder zu langweilen und nur ihrer Lust und dem Laster zu frönen. Und Gott sitzt weiter gelangweilt in seinem Paradies und wünscht sich manchmal auch ein Engel zu sein.“

ANMERKUNG DES REGISSEURS

„Moral ist für mich nur ein Druckmittel der Gesellschaft gegen das Individuum. Die ganze Welt folgt den Regeln, die von der Moral auferlegt sind. Für mich gibt es nichts Langweiligeres als einen Film, der vorgibt eine moralische Botschaft zu übermitteln. Aus diesem Grund ist ENGEL MIT SCHMUTZIGEN FLÜGELN entstanden, ein unmoralisches Werk über drei Engel, die aus Langeweile den Himmel verlassen. Als sich andere Engel zu Tode langweilten, haben sie sich geschworen, auf der Erde ihre Lust und ihr Laster zu leben. Sie sind Engel mit schmutzigen Flügeln. ENGEL MIT SCHMUTZIGEN FLÜGELN ist eine schmerzhafte Studie über unsere Zeit, eine Fuge über eine Generation, die sich ihre Gefühle leiht.“ (Roland Reber)

Von der BILD als „Skandal-Film“ tituliert, von Filmstarts als „mit das Aufregendste, was das deutsche Kino aktuell zu bieten hat“ bezeichnet, erregte ENGEL MIT SCHMUTZIGEN FLÜGELN schon vor seinem Kinostart Aufsehen. Authentisch, pur und direkt zeigt Filmautor Roland Reber in seinem neuen Film die ungezügelte Suche und Sucht nach Leben. Es geht  nicht um gut und schlecht, sondern um Authentizität.

Die Hauptrolle der lebenshungrigen Lucy spielt Antje Nikola Mönning, bekannt als Nonne Jenny aus der ARD-Serie UM HIMMELS WILLEN.

ENGEL MIT SCHMUTZIGEN FLÜGELN ist wie alle Produktionen der wtp international GmbH ohne Förderung und mit der Kreativität und dem Engagement aller Beteiligten entstanden. Das Besondere der wtp international Filmproduktion liegt in der kompromisslosen Hingabe zum Film, die das Filmproduktions-Team seit vielen Spielfilmen zusammenschweißt, sowie in der Produktionsweise – Drehbuch, Produktion, Schnitt, Verleih, Vertrieb, DVD-Label, Pressearbeit kommen aus dem selben Haus – und die konsequente Ablehnung von Produktionsfördergeldern und Senderbeteiligung, um die kreative Freiheit zu wahren. Die bisherigen Filme des Teams liefen auf zahlreichen internationalen Festivals, im Kino und sind im Handel auf DVD erhältlich.

ENGEL MIT SCHMUTZIGEN FLÜGELN hatte im Oktober 2009 seine Weltpremiere beim SITGES International Filmfestival in Spanien und seine Deutschland-Premiere auf den Hofer Filmtagen 2009 und seine Asien-Premiere beim International Filmfestival of India (Roland Reber Tribute), wo er von Publikum und Presse begeistert gefeiert wurde.

SPEZIELLE ARBEITSWEISE

„Die besondere Arbeitsweise von wtp international erlaubt es den kreativen Prozess zu fokussieren.  Ich entwickle das Drehbuch und mache die Schauspielregie am Drehort. Mira Gittner ist für die Bilder und den Schnitt verantwortlich. Nach dem letzten Drehtag zieht sich Mira in ihr Schneidestudio zurück und verläßt dieses erst wieder nach getaner Arbeit. Ich sehe den Film wenn der Rohschnitt fertig ist. Diese Arbeitsteilung hat sich bei sechs Kinofilmen bewährt und wird auch bei den nächsten Filmen beibehalten.“ (Roland Reber)

Teamwork – wörtlich genommen.

ENGEL MIT SCHMUTZIGEN FLÜGELN ist das Ergebnis von Teamwork. Zu Beginn der Dreharbeiten lag nur der Titel vor und die Idee von drei Frauen, die mit ihren Motorrädern durch die Lande streifen. Von da an entstand alles in einer organischen Art und Weise.

Während der Dreharbeiten wurde die Geschichte entwickelt. Regisseur und Autor Roland Reber schrieb dann einige Szenen, die in den nächsten Tagen gedreht wurden. Es wurde nicht improvisiert. Auf diese Weise, Stück für Stück, entstand der Film. Jeder Beteiligte konnte so seine eigene Kreativität und Ideen einbringen.

Diese Arbeitsweise, Filmemachen als kreatives Abenteuer zu sehen, ist typisch für Roland Reber und das wtp-Team. Mit einem kleinen Team und einer vielfältigen Aufgabenverteilung innerhalb des Ensembles entsteht so ein Gesamtkunstwerk, zu dem jeder Beteiligte eine kreative Beziehung hat. So ist Roland Reber nicht nur Regisseur sondern auch Autor und Co-Produzent, Antje Nikola Mönning hat neben ihrer Rolle der LUCY auch produziert, Marina Anna Eich hat neben ihrer Rolle der GABRIELA auch die Organisation der Produktion übernommen und ist zuständig für den Verleih, die Pressearbeit und die Vermarktung des Films. Mira Gittner war neben ihrer Rolle als MICHAELA für die Kamera und den Schnitt verantwortlich.

Diese Vorgehensweise lässt auch viel Raum für spontane Ideen während des Drehs. So ist zum Beispiel die Rocker-Szene entstanden. Bei den Dreharbeiten zu einem Werbefilm lernte das Filmteam einen Biker kennen, der für den nächsten Tag eine Gruppe Harley-Fahrer organisierte. Während der Pause zwischen den Fahrtaufnahmen erklärte einer der Rocker Mira Gittner etwas an ihrem Motorrad und ein anderes Grüppchen diskutierte über die Mediengesellschaft. So kam Roland Reber die spontane Idee, daraus eine Szene zu machen, die dann sofort umgesetzt wurde.

AM DREHORT – auf der Strasse

ENGEL MIT SCHMUTZIGEN FLÜGELN wurde an Originalschauplätzen gedreht. Für die Fahrtaufnahmen wurde manchmal einfach das Equipment eingepackt, losgefahren und an geeigneten Drehorten aufgebaut und gedreht. Da einige Dialog-Szenen auf der Strasse spielen sollten, die Strasse als Symbol für einen Weg, kam es gerade recht, dass die B 17 – Umgehungsstrasse bei Landsberg am Lech schon fast fertig, aber noch nicht für den Verkehr freigegeben war. Das Strassenbauamt erteilte die Drehgenehmigung und so musste das Team nur noch dem ein oder anderen LKW vom Strassenbauamt oder den Radfahrern ausweichen, die diese Strasse auch schon für sich entdeckt hatten.

Die wtp international Filmproduktion hat die Umgebung von Landsberg am Lech schon häufig für ihre Filme benutzt. Vielleicht ist es inzwischen die Macht der Gewohnheit, aber vor allem liegt es daran, dass die Behörden der Stadt und des Landkreises sehr kooperativ sind.

BESETZUNG
 
LUCY                                                                            Antje Nikola Mönning
GABRIELA                                                                  Marina Anna Eich
MICHAELA                                                                 Mira Gittner
PROSTITUIERTE                                                       Maren Scholz
MARTIN                                                                      Martin Kagerer
MOTORRADCLUB RACING DEATH BAVARIA

STAB

Buch und Regie                                                       Roland Reber
Produzenten                                                            Patricia Koch, Marina Anna Eich, Roland Reber, Antje Nikola Mönning
Herstellungsleitung                                                Marina Anna Eich
Kamera                                                                     Mira Gittner, Roland Reber
Schnitt                                                                      Mira Gittner
Musik                                                                      Wolfgang Edelmayer
2.Kamera                                                                 Marina Anna Eich, Christoph Baumann

Produktionsassistenz                                             Claire Plaut, Ute Meisenheimer
Produktion│Verleih│Vertrieb                              wtp international GmbH
Produktionsjahr                                                      2009
Drehzeit                                                                   August – September 2009
Postproduktion                                                       September – Oktober 2009
Drehorte                                                                  Bayern, Österreich

 

International Hofer Filmtage 2009
SITGES International Film Festival, Spanien, 2009
International Film Festival of India, Goa, 2009
Chennai International Film Festival, Indien, 2009
Fantasporto International Film Festival, Portugal, 2010
Mostra Sao Paulo International Film Festival, Brasilien, 2010       
Ourense International Film Festival, Spanien, 2010 

  • „Skandal-Film.“ (BILD, kompletter Artikel; Titel vom 20.Nov. 2009)
  • „Mit das Aufregendste, was das deutsche Kino aktuell zu bieten hat.“ (Filmstarts.de, Christoph Petersen)
  • „Blitzsauberes Kreativpotenzial.“ (Filmecho, kompletter Artikel)
  • „Der beliebteste Film beim diesjährigen International Film Festival of India.“ (Satinder Mohan, Central Board of Film Certification)
  •  „Ironischer Essay über feminine Geilheit und Gefühle, wo auf der Suche nach dem wahren weiblichen Ich experimentell Liebe, Lust und (Selbst)Lügen demontiert werden. … Die in gemeinschaftlichem Engagement hergestellten Filme von wtp international sind längst unverkennbares Markenzeichen geworden.“(Blickpunkt:Film, kompletter Artikel)
  • „Easy Rider auf dem Weg zur sexuellen Selbstfindung . … Dem Regisseur und seinem Team gelingt eine würdevolle, intensiv tabulose Dynamik.“  (AZ München, kompletter Artikel) 
  • “Engel mit schmutzigen Flügeln ist eine schon lang überfällige moralische Lektion.” (filmjournalisten.de, Julian Reischl, kompletter Artikel)
  • „Antje Nikola Mönning ist die Schauspielüberraschung des Jahres gelungen!“ (BILD.TV)
  •  „Der Film ist sinnlich, erotisch und sehr provokant. Er stellt auch eine neue, wundervolle Ebene der Reife in allem dar, von den Bildern, bis zum Drehbuch, dem Schauspiel und natürlich der meisterhaften und kreativen Regie .”  (Gordon Weaver ehem. Vice-President von Paramount))
  • “Antje Nikola Mönning begeistert das Publikum.” (Popcorn Bollywood)
  •  „Schön anzusehender provokanter Film von Deutschlands Enfant Terrible unter den Regisseuren“ (DigitalVD)
  •  “Reber ist echte Nahrung für den Geist in unserer verdorbenen Zeit.” (Goan Observer)
  • „Ein bisschen Porno zwischen Himmel und Hölle.“ (kino-zeit.de, kompletter Artikel)
  • „Wir machen unsere Passion zum Beruf.“ (Esslinger Zeitung, kompletter Artikel)
  • „…die Abenteuer einer Lady Chatterley sind vergleichsweise harmlos.“ (Freies Wort, kompletter Artikel)

INTERVIEW MIT ROLAND REBER (Buch und Regie / Produzent / Kamera)

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Sie nennen den Film eine Hymne auf die Unmoral. Warum?

Moral ist für mich nur ein Druckmittel der Gesellschaft gegen das Individuum. Die ganze Welt folgt den Regeln, die von der Moral auferlegt sind. Für mich gibt es nichts Langweiligeres als einen Film, der vorgibt, eine moralische Botschaft zu übermitteln. Aus diesem Grund ist ENGEL MIT SCHMUTZIGEN FLÜGELN entstanden, ein unmoralisches Werk über drei Engel, die aus Langeweile den Himmel verlassen. Als sich andere Engel zu Tode langweilten, haben sie sich geschworen auf der Erde ihre Lust und ihr Laster zu leben. Sie sind Engel mit schmutzigen Flügeln.
Ich bin kein Freund von Klipp-Klapp-Erklärungen – das ist gut, das ist schlecht, also habe ich versucht, Figuren zu entwickeln, die weder das eine noch das andere sind, sie versuchen zu leben, wissen aber gar nicht, was das bedeutet. Lucy wird nur im Orgasmus lebendig, die anderen beiden nur auf ihren Motorrädern, das ist das einzige, was sie haben. Lucy versucht sich während des Filmes ihres unpassenden Lebensanzuges, den unter anderem die Moral über sie gestülpt hat, zu entledigen. Sie versucht die Norm, so zu leben, wie andere es von ihr erwarten, loszuwerden. Sie beginnt in ihren Spiegel zu schauen und ihr dunkles Ebenbild zu sehen und zu leben. Somit wird sie weder besser noch schlechter, aber ein wenig authentischer.

Wie hat die heutige Gesellschaft die Charaktere in Ihrem Film beeinflusst?

„Woher soll ich gelernt haben zu fühlen. Ich gehöre einer Generation an, die sich ihre Gefühle leiht.“, sagt Lucy gegen Ende des Filmes.
Wenn sich Menschen nur noch über Posen definieren, die sie aus den Medien kopieren, geht die Authentizität verloren. Wenn man sich z. B. ein neues Handy holt, ist darin schon die vorgefertigte SMS „Ich liebe dich auch“ integriert. Es wird nur noch kopiert. Das Original bleibt auf der Strecke. Das ist für mich eine Generation der geliehenen Gefühle, die so auch gar nicht mehr fähig ist, echte und authentische Gefühle zu empfinden. Für mich ist die zentrale Stelle im Film, wenn Michaela und Lucy über die Liebe reden. Lucy kennt nur geliehene Gefühle und Berechnung, wie z. B. sie wollte mit dem  Arztsohn zusammen sein, weil der Vater ein tolles Haus hat und nennt es dann „verliebt“, weil man es halt so nennt. Es geht um Authentizität. Sei scharf auf ein tolles Haus, aber pur. Lebe deine Lust, aber pur. Und der zentrale Satz für mich ist: „Ohne Liebe sind wir leere Hüllen in einer leeren Welt.“

Inwiefern ist die Grenzüberschreitung und Provokation in Ihrem Film kalkuliert?

Wenn man den Augenblick des Orgasmus oder expliziten Sex in einer offenen und realistischen Weise zeigt, kann das für einige Zuschauer verwirrend sein. Oberflächlich betrachtet ist die Provokation eine ästhetische, das Tabu geht aber tiefer. Hier geht es um Lebendigkeit. Lucy lebt nur im Orgasmus, sonst spielt sie nur Leben. Wäre sie von Anfang an eine Prostituierte, wäre niemand geschockt, sie wäre nur eine Nutte, aber sie geht freiwillig in den Puff, um das Leben, um sich zu spüren. Am Anfang ist Sex für Lucy ein Ausdruck des Spiels und ein nützliches Werkzeug, um andere zu manipulieren, gegen Ende ein Ausdruck des Seins.
Provokation ist für mich kein Selbstzweck, aber sie setzt beim Zuschauer starke Gefühle frei. In diesem Film gibt es keinen „schön inszenierten“ und FSK 12 freigegebenen Sex, der Sex ist realistisch und unprätentiös dargestellt, pur, das ist die Provokation. Sex wird als Sex dargestellt und nicht wie so oft die “ wilde Schlampe“, die im BH fickt und wo die Bettdecke auch noch beim wildesten Sex so drapiert ist, dass man ja keinen Schambereich oder steifen Nippel sieht. Wenn Sex in einer Geschichte vorkommt, kann man ihn auch zeigen. Man zeigt die Menschen ja auch beim Essen. Aber mein Ziel ist es nicht, die Zuschauer zu provozieren. Ich will einfach zeigen, wie dieser Moment ist, der einzige Moment, wo Lucy wirklich ist und nicht eine Bettszene aus den Medien nachäfft.

Sie haben einen eigenen Weg des Filmemachens und –produzierens. So sind die Schauspieler häufig auch in anderen Bereichen des Filmemachens involviert – wie z.B. bei Schnitt, Kamera, Drehbuch, Produktion etc. Sie machen Ihre Filme ohne öffentliche Fördermittel und immer mit dem gleichen Team. Wie sieht diese Arbeitsweise aus?

Unsere Filme entstehen Dank unserer Willenskraft, aber auch dank spontanen Begegnungen während des Produktionsweges. Im Falle ENGEL MIT SCHMUTZIGEN FLÜGELN war der Titel das erste, was mir einfiel. Von da an entstand dann alles in einer organischen Art und Weise. Zum Beispiel trafen wir während eines Drehtages einen Mann, der ein Harley-Davidson T-Shirt trug. Ich fragte ihn, ob er nur das T-Shirt anhabe oder auch ein „echter Biker“ ist. Er bejahte und wir beschlossen, dass er und sein Motorradclub im Film mitwirken.
In der Filmindustrie ist es immer mehr zu einer Spezialisierung gekommen. Viele Kollegen meinen, es müsste eine Teilung der künstlerischen, technischen und verwaltungsbedingten Positionen geben. Dieser Meinung bin ich nicht. Kreativität ist nicht teilbar, sondern ein holistischer Vorgang. Wir sind kein Konzern, der Filme produziert, sondern Filmemacher. Filmemacher machen Filme. Und das ist eben ein ganzheitlicher Prozess – und einer der Spaß macht. Somit vertreten wir „unseren“ Film und nicht ein Produkt anderer Leute. Ich würde nie von „meinem Film“ sprechen, sondern immer von „unserem“ – es ist Teamwork.
Viele Schauspieler sehen sich oft selber in einer Erfüllungsposition. Sie sagen: „Ich habe bei einem Film mit gemacht“. Sie distanzieren sich mit der Begründung, sie seien ja nur Schauspieler. Bei uns ist niemand „nur“. Für mich beginnt Schauspiel berührend zu werden, wenn es persönlich und authentisch ist und das erreicht der Schauspieler eher, wenn er sich mit der Rolle selbst auseinandersetzt und nicht irgendein Erfüllungsgehilfe eines  göttergleichen Befehlsgebers ist. Das ist Militär, ich mache Filme. Ich sehe mich nicht als Dompteur, der dem Schauspieler vorschreibt, welche Grimassen er zu schneiden hat, ich erwarte von einem kreativen Künstler seine eigene Interpretation, sonst könnte ich die Rolle ja selber spielen. Ich sehe mich eher als Dirigent, der die Solisten lediglich
koordiniert und zu einem harmonischen Orchester zusammenführt. Das ist meine Definition von Team-Work, also ist es auch nicht „mein“ Film, sondern „unser“ Film. Wir machen Filme mit geringem Budget, so dass wir selber produzieren können und somit haben wir immer die volle Autorität über das, was wir machen. Wir nutzen unser eigenes Equipment, von der Produktion über Postproduktion bis zur Vermarktung machen wir alles selber. So kann uns niemand reinreden und das gibt uns die Freiheit, kreativ zu sein.

 

INTERVIEW MIT ANTJE NIKOLA MÖNNING (Hauptrolle „LUCY“ / Co-Produzentin)

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Was ist für Sie die Aussage des Films?

Für mich geht es in dem Film vor Allem um Ehrlichkeit, und das in erster Linie sich selbst gegenüber.  Meine Figur der Lucy  hat sich und andere ihr Leben lang betrogen. Nun halten ihr die anderen beiden einen Spiegel vor, damit sie erkennt wer sie ist, nämlich eine verlogene geile habgierige Schlampe. Diese Erkenntnis ist erstmal völlig wertneutral. Was sie nun macht, ob sie sich ändert oder das, was sie ist, lebt, bleibt offen, der Film ist nicht moralisch, und  das finde ich das Gute daran. Einer der wichtigsten Sätze des Film ist für mich: Ohne Liebe sind wir leere Hüllen in einer leeren Welt.

Was ist das Besondere an der Figur der Lucy?

Lucy ist Jemand, die im Laufe des Films erkennt, was sie ist, und sich dann erstmal entscheidet, genau das zu leben. In den meisten Filmen ist es doch so, dass eine Figur, die Nutte oder Stripteasetänzerin oder etwas in der Richtung ist,  am Ende bereut und ihr Leben ändert und  heiratet. Oder vor dem grausamen Zuhälter flieht, so wie ich als Jenny in der ARD Serie Um Himmels Willen. Aber das sich eine Frau bewusst entscheidet, als Nutte zu arbeiten und dann auch noch geil darauf ist, das ist das, was für mich Lucy zu einer ganz besonderen Figur macht Es ist ihre freie und bewusste Entscheidung, und die wird im Film weder verurteilt noch gut geheißen.. Da geht es einfach ums pure Sein.

War es für Sie schwer, die expliziten Szenen zu drehen?

Nein, weil ich erstens Roland als Regisseur hundertprozentig vertraue und weil ich 2. sofort wusste, dass die Sexszenen  dazu dienen eine Geschichte zu erzählen. Deswegen war es mir ja auch so wichtig, dass meine Orgasmen echt sind. Lucy definiert sich  nur über Sex, und die einzigen Momente, wo sie wirklich lebt und Leben nicht nur nachspielt sind im Orgasmus. Also wollte ich dass diese Szenen  so authentisch wie möglich  sind. Auch das ist ja ein zentrales Thema des Films: Sei was DU bist. Als Schauspielerin wollte ich deswegen SEIN, nicht nur spielen. Ich kann nur lächeln, wenn ich mir die Sexszenen in Hollywood und Fernsehproduktionen anschaue. Da liegen Frauen im BH in Bettdecken drapiert und sehen immer schön perfekt geschminkt aus. Aber Lucy möchte ja in den Schmutz, weil es dort lebendig ist. Zu dieser Rolle hätten choreografierte Sexszenen nicht gepasst,  das hätte die Glaubwürdigkeit zerstört. Außerdem gab es klare Absprachen mit den Darstellern, wieweit sie bereit sind zu gehen. So wurde im Vorfeld schon eine entspannte Atmosphäre geschaffen.

Hatten Sie keine Angst, was nun Andere über Sie sagen, z. B. Kollegen oder Familie und Freunde?

Nein, genau darum geht es ja im Film. Sei was du bist, egal was andere dazu sagen. Lucy hat ja alles unter dem Deckmantel einer sehr fragwürdigen Moral getan, von der sie sich im Film mit Hilfe der anderen Beiden befreit. Ich finde den Umgang unserer Gesellschaft mit Sex ziemlich verlogen. Das fängt schon damit an, dass die Meisten in die Disco gehen, um Sex zu bekommen, aber behaupten, sie wollten Spaß haben oder tanzen. Oder es wird ein großes Essen mit Kerzenlicht und scheinbarer Romantik inszeniert, um zu erreichen, dass man Sex hat. Da ist eine wie Lucy ehrlicher, die direkt in den Puff geht.

Wie kamen Sie  dazu, von der Nonne in einer ARD Serie nun ENGEL MIT SCHMUTZIGEN FLÜGELN mit dem Team von wtp zu drehen?

Ich habe Roland Reber und das Team von wtp vor fast 3 Jahren in Cannes kennengelernt. Damals hatte ich gerade mit den Dreharbeiten zu Um Himmels Willen begonnen. Nachdem ich dann aber 24/7 THE PASSION OF LIFE und MEIN TRAUM ODER DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN gesehen hatte und mitbekommen habe, wie wtp Filme macht, wollte ich unbedingt  dabei sein. Denn Roland ist ein Regisseur, der allen Beteiligten am Set die größtmögliche Freiheit lässt und die Kreativität von jedem Einzelnen fördert. Bei wtp sind Schauspieler eben keine Marionetten, die nur zwischen Markierungen hin und her hüpfen dürfen.. Jeder kann sich einbringen und wird ernst genommen. Deswegen habe ich mich dann entschieden, gleich ganz ins Team einzusteigen und nun diesen Film auch mit zu produzieren. Und natürlich hat es mich gereizt, nach der Rolle einer Nonne nun etwas ganz Anderes zu spielen.

Kinotour 2010 – Publikumsgespräche

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Outtakes

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Filmausschnitt: INTRO

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Filmausschnitt: OHNE LIEBE

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TV Interview – Indisches Fernsehen

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