The Dark Side of our Inner Space2019-01-16T20:17:00+00:00
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THE DARK SIDE OF OUR INNER SPACE

ein Film von Roland Reber
Deutschland 2003, Thriller, 90 min, FSK 16

  • Roland Reber: Eine Institution in Regie. Zu sagen, dass Roland Reber ein außergewöhnlicher Regisseur ist, würde ihn nur halbherzig beschreiben. Der Mann an sich ist eine Lehrstunde für die gesamte Filmwelt. “ (Hindustan Times)
  • “The Dark Side of Our Inner Space ist das Werk eines wahren Poeten. Ganz einfach eine tolle filmische Leistung.“( Gordon Weaver, Filmpublizist)
  • “Dieser Film ist etwas ganz Wertvolles in einem noch nicht entdeckten Genre neuer deutscher Kinokultur. ” (Dietmar Wladek, Journalist)

seit 27.04.2007 auf DVD erhältlich

Mit Mira Gittner, Marina Anna Eich, Sabine Krappweis, Christoph Baumann, Manfred Gebauer
Kamera: Mira Gittner, Roland Reber
Schnitt: Mira Gittner
Licht: Christoph Baumann, Mira Gittner
Musik: Wolfgang Edelmayer
Produzent: Patricia Koch
Buch und Regie: Roland Reber
Produktion, Verleih & Vertrieb: wtp international GmbH

„Ich will die dunklen Seiten erleben, die in uns Menschen sind, denn diese dunklen Orte sind lebendig, sie sind Leben.“

Was ist Realität? Was ist Spiel? Wo sind die Grenzen? Wann geht das eine in das andere über?

Tanja (Mira Gittner), Jessie (Marina Anna Eich), Anna (Sabine Krappweis), Marcus (Christoph Baumann) und Kai (Manfred Gebauer) begeben sich in eine abgeriegelte ehemalige Militärkaserne, um das „Grosse Spiel“ zu spielen – ein Spiel abseits jeglicher gesellschaftlicher Normen und Grenzen.

„Solange ihr draussen gewesen seid, musstet ihr euch den gesellschaftlichen Regeln beugen. Hier, in der Kaserne der Freiheit, gibt es keine Regeln. Wenn ihr welche braucht, dann schafft sie euch.“

Jeder der Protagonisten hat sein eigenes Spiel, seine eigene Variante, um Vorteil über die anderen zu bekommen: Jessie versucht es über die sexuelle Verführung, Anna über Machtausübung, Marcus durch Regelwerke, die er erlässt, Tanja, indem sie sich aus allem raushält. Kai ist das schwächste Glied in der Gruppe und er wird jedermanns Opfer.
Auf der Suche nach dem „Grossen Spiel“ verstricken sie sich immer mehr in ihre eigenen zwischenmenschlichen Spiele und werden langsam in die hinterhältige Nische ihrer „inneren Räume“ gezogen. Was als harmloses Spiel beginnt, endet in einer allzu realen Tragödie.

THE DARK SIDE OF OUR INNER SPACE ist eine Metapher auf das „Grosse Spiel“, das wir Leben nennen. Eine Studie über die dunklen Seite unserer Seele.

„Ich habe ihnen keine Regeln gegeben. Sie konnten sich selber welche schaffen. Sie hätten sich eine so schöne, erlebnisreiche, lustvolle Zeit bereiten können. Aber sie haben Streit, Intrigen und zuletzt den Tod gewählt.“

Die Grundidee des Filmes war, eine Gruppe junger Menschen aus unserer Spiele- und Fungesellschaft in ein abgeschottetes Umfeld zu bringen. In dieser Isolation sollte dann ohne Regeln und ohne Vorgabe das “Große Spiel” stattfinden. Ganz auf sich alleine gestellt sollten die einzelnen Figuren auf verschiedene Weise versuchen, herauszufinden: Was ist Spiel? Was ist Realität? Wo sind die Grenzen? Wer bin ich, wenn ich nicht an äussere Zwänge und die Spiele der Gesellschaft gebunden bin? Bin ich überhaupt fähig ohne Struktur und Vorgaben zu existieren? Was soll ich bloss mit mir anfangen?

Dieser Film gibt keine Antworten, er stellt Fragen. Die meisten haben keine Antworten, sie haben ja noch nicht einmal mehr Fragen.

THE DARK SIDE OF OUR INNER SPACE ist der dritte Teil der Trilogie von Roland Reber über das Thema der menschlichen Suche nach sich Selbst und hatte Welturaufführung beim 9. Calcutta International Filmfestival im November 2003 in Indien (anlässlich einer Roland Reber – Reihe) und wurde auch bei anderen Filmfestivals von Presse, Fachpublikum und Kinogängern begeistert aufgenommen.

Der Film ist seit 27.April 2007 auf DVD (in einer 3/1 Roland Reber Box oder Einzeln) erhältlich.

VON DER IDEE ZUM FILM

„Im März 2003 teilte mir der Direktor des Calcutta International Filmfestivals mit, dass er im November eine „Roland Reber Filmreihe“ bei seinem Festival machen wolle. Diese „Special Section“ eines Regisseurs beinhaltet allerdings immer drei Spielfilme, bis zu diesem Zeitpunkt existierten aber nur DAS ZIMMER und PENTAMAGICA. „Ok“, sagte ich, „Du wirst im November drei Filme zeigen können, versprochen.“ Daraufhin wollte er den Titel und den Plot von dem dritten Film wissen. „Es geht um die verborgenen Seiten in uns, um die dunkle Seite unserer Seele.“, improvisierte ich spontan. Und da das Gespräch in Englisch stattfand, entstand so der englische Titel THE DARK SIDE OF OUR INNER SPACE. Nachdem das Versprechen nun gegeben war, musste nur noch ein Spielfilm entwickelt, gedreht und geschnitten werden. Wir hatten ein halbes Jahr Zeit, denn im Oktober musste die 35 mm – Kopie in Calcutta sein. Wir haben es geschafft. THE DARK SIDE OF OUR INNER SPACE hatte seine Weltpremiere im November 2003 beim Calcutta International Filmfestival.

SPEZIELLE ARBEITSWEISE

Teamwork – wörtlich genommen

Dieser Film ist das Ergebnis von Teamwork. Zu Beginn der Dreharbeiten lag nur die weitgehend offenen Grundidee vor. Zusammen mit den Schauspielern wurden während der Dreharbeiten die Einzelcharaktere und die Grundstruktur der Geschichte entwickelt. Regisseur und Autor Roland Reber schrieb dann einige Szenen, die entweder gleich oder meist in den nächsten Tagen gedreht wurden. Es wurde nicht improvisiert. Auf diese Weise, Stück für Stück, entstand der Film.

Durch Gespräche, Diskussionen, Beschäftigung mit der Materie näherte sich jeder Einzelne immer mehr dem Kern der später dargestellten Form. Alles, auch Kamera und Licht und später Schnitt und Musik, entstand aus der kreativen Kraft des Teams heraus. Jeder Beteiligte konnte seine eigene Kreativität und seine eigenen Ideen einbringen. Es gab kein starres Festhalten an einer “Urkonzeption”, sondern eine permanente Neudefinition und Flexibilität des Ansatzes. Das ständige Hinterfragen bereits entwickelter Ideen war dabei genauso wichtig wie spontane Innovationen.

„Bei THE DARK SIDE OF OUR INNER SPACE war der Drehort in diesem Falle die Idee  – eine aufgegebe Militärkaserne. Die Schauspieler, die auch gleichzeitig die Crew waren, haben sich mit mir zusammen für ca. 6 Wochen täglich in der Kaserne getroffen und durch viele Gespräche über alles mögliche entstand Tag für Tag der Film. Ich glaube nicht an Geschichtenerzählen im narrativen Stil, da unser Leben auch nicht wie eine Geschichte mit vorgefasster Struktur und Ordnung geschrieben ist. „Das Leben ist ohne Text.“, heisst es in DAS ZIMMER. Es ist vielmehr multidimensional mit abrupten Übergängen und alle meine Filme beinhalten in irgendeiner Weise die Suche nach Leben, Identität und dem Selbst.“ (Roland Reber)

BESETZUNG

TANJA                                                     Mira Gittner
JESSIE                                                    Marina Anna Eich
ANNA                                                      Sabine Krappweis
MARCUS                                                Christoph Baumann
KAI                                                          Manfred Gebauer
ER                                                            Roland Reber
INTRO-STIMMEN                              Patricia Koch, Carsten Frank

STAB

Regie                                                      Roland Reber
Buch                                                       Roland Reber
Produzentin                                          Patricia Koch
Kamera                                                  Mira Gittner, Roland Reber, Christoph Baumann
Licht                                                        Christoph Baumann, Mira Gittner
Schnitt                                                     Mira Gittner
Musik                                                      Wolfgang Edelmayer

Produktion                                              wtp international GmbH
Produktionsjahr                                     2003
Drehzeit                                                  August 2003
Locations                                                Lechrainkaserne, Landsberg am Lech

Calcutta Int. Filmfestival, Indien (Weltpremiere, Sektion: Roland Reber Films), 2003
Siliguri Int. Filmfestival, Indien (Eröffnungsfilm), 2003
Dakha Int. Filmfestival, Bangladesh (Sektion: About Roland Reber), 2004
Panorama of Int. Film, Thessaloniki / Griechenland, 2004
Cairo Int. Filmfestival, Ägypten, 2004
Sitges Festival Internacional de Cinema, Spanien, 2004
Alexandria Internationales Filmfestival, Ägypten, 2005
International Filmfestival of India, Goa, 2009
Chennai International Filmfestival, India, 2009

  • „Während des gerade zu Ende gegangenen Kalkutta Film Festivals entdeckte Romain Maitra eine unglaubliche Schauspielerin in der winzigen Mira Gittner aus München. Wenn Sie Rebers neuen Film The Dark Side of our Inner Space, der auf dem Kalkutta Film Festival gezeigt wurde, gesehen hätten, hätten Sie sich der seltsam scharfen Kante des schauspielerischen Talents von Mira Gittner nicht entziehen können. Sie hätten rückblickend den dunklen Schrei in ihrem Gesicht gefühlt, als ob sie ihre Zähne in den Wurm im Apfel unserer Sehnsüchte gerammt hätte. Wir sahen sie sich den rohen Fasern unserer psychologischen Verfassungen aussetzen, um die verborgenen Inhalte der Hüllen, die wir sind, anzustarren, beinahe mit der Intensität eines Klaus Kinski in Aguirre, der Zorn Gottes … Und unter all ihren Arbeiten ist es besonders die eine, die für lange Zeit im Gedächtnis bleibt, nämlich ihr seelen-suchendes Schauspiel in The Dark Side of our Inner Space, wenn wir das Licht auf ihren durchdringenden und zeitlosen Blick fallen sehen, wenn sie ausstösst: Wo beginnt es? …“ (R. Maitra,, Star File: Talent & The Self: Mira Gittner, The Statesman, kompletter Artikel)
  • The Dark Side of our Inner Space ist ein Werk eines wahren Poeten. …Als ich den Film zu Ende sah, hatte ich dasselbe Gefühl von erfreulicher Befriedigung, das ich nur bei seltenen Gelegenheiten gehabt hatte, wenn ich priviligiert war, grossartige Weltklasse-Darsteller auf der Opernbühne zu sehen und hören oder talentierte Musiker, die in perfekter Harmonie unter der Leitung eines brillianten Dirigenten auf der Bühne eines Symphoniekonzerts spielen.  „Jessie ist in ihre Nacktheit gekleidet wie in ein Gewand aus Beton. Je weniger sie anhat, umso mehr bedeckt sie die Armut ihres Seins … Wenn wir die eingesperrten Gedanken – diese Krebsgeschwüre aufgestauter Fantasien  – aus dem Kerker unserer Seele befreien, fließt der Eiter vielleicht ab, der unsere Sehnsucht ertränkt, in dem Gift des nicht gelebten Lebens … vielleicht sind wir alle Figuren, die vor Spiegeln stehen und uns nur selbst sehen, in unserer Verlassenheit … so wahr wie jede Lüge.“ Dies sind die Worte eines Poeten, eines sehr begnadeten Poeten. … Das Schauspiel, als Ensembleleistung und als individuelle Darstellung, ist erste Klasse von Anfang bis Ende. Die Regie ist knackig und im Gesamten bewegt sich die Geschichte in einem Tempo, das selten verzögert und immer mein Interesse hielt. Das oft strenge Licht und die nahgehende und persönliche Kameraführung haben mich nicht nur in einem Zustand von aufgeregter Spannung gehalten, sondern auch in den Film hineingezogen, so als wäre ich die Kamera. Der Schnitt war wunderschön, ohne Zuflucht zu Spielereien zu suchen … Ganz einfach, The Dark Side of our Inner Space ist eine tolle filmische Leistung.“ (Gordon Weaver, Filmpublizist und Mitglied der Academy, Hollywood)
  • „Bin sehr von Ihrem Film beeindruckt, da sowohl durch die Regiearbeit, als auch durch die schauspielerische Leistungen im Betrachter das Gefühl entsteht, Teil dieses Spiels zu sein. Letztlich ist es meiner Meinung nach gelungen, dem Zuschauer schon fast beängstigend realitätsnah zu offenbaren, wie innerhalb einer kleinen Gruppe von Menschen der Kampf um die Macht der intimsten Wünsche und Gefühle vorangetrieben wird, ohne hierbei Rücksicht auf persönliche Bindungen zu nehmen. Es handelt sich bei diesem Film um etwas ganz Wertvolles in einem noch nicht entdeckten Genre neuer deutscher Kinokultur.“ (Dietmar Wladek, Journalist)
  • „ Alle seine Filme sind die Suche nach dem Leben, die Identität und dem Selbst. Die Philosophie ist in seine Filme übersetzt. Roland Reber bedauerte den Mangel an Eifer innerhalb der deutschen Jugend, sich an den Sinn des Lebens zu wagen. Oberflächlichkeit und Künstelei lenken sie mehr als die Wahrheit. Sie sind verlorene Seelen im Spass- und Unterhaltungsdschungel der heutigen sogenannten entwickelten Zivilisation. Die meisten haben keine Antworten, sie haben ja nicht einmal mehr Fragen. Sie führen ihr Leben im Labyrinth der puren Unterhaltung, ohne jegliche Teilnahme und Verständnis über das Leben. An diesem Punkt schlagen Reber`s Filme zu und erhellen die dunkle Seite unserer inneren Seele.“ (Daily Bulletin, Kalkutta Film Festival,  kompletter Artikel)
  • „ein kurioser deutscher Film, der mit der Realität und der Täuschung spielt und der in Sitges 04 innerhalb der Sektion „Europa Imaginaria“ vorgestellt wird. …“ ( El Diari del Festival, SITGES Festival Internacional de Cinema 2004)
  • „Roland Reber: Eine Institution in Regie.“ (Hindustan Times, kompletter Artikel)
  • „Die Freiheit zu erschaffen.“ (Times of India, kompletter Artikel)
  • „…Überraschungspaket der diesjährigen Auswahl…“ (Times of India, Kalkutta Film Festival, kompletter Artikel)
  • „Vom Suchen und Finden des eigenen Ichs.“ (kultur-insel, kompletter Artikel)
  • „wtp Filme sind filmische Konzeptkunst.“ (aVela Kunst-Magazin, kompletter Artikel)
  • „Die verbotenen Räume der Seele“ (Matrix 3000 über die Roland Reber-Reihe, kompletter Artikel)

 

SZENENFOTOS

MAKING-OF FOTOS

INTERVIEW MIT ROLAND REBER (Buch und Regie / Kamera)

Sie wurden in der Theaterwelt umjubelt. Sie schrieben in der Vergangenheit viele Stücke, spielten und führten Regie. Was hat sie dazu veranlasst zum Film zu wechseln?

Ja, ich habe Theaterstücke geschrieben, war Regisseur, Theaterschauspieler und Schauspiellehrer in Deutschland und anderen Ländern. Unter anderem habe ich das Theater Institut in Hamburg 1981 gegründet und das Welt-Theater-Projekt 1989. Ein wesentlicher Teil meiner früheren Aktivitäten war,  interkulturelle Aspekte und innovative Techniken für Schauspieler und Regisseure zu entwickeln. Wenn ich etwas zu einem bestimmten Thema sagen wollte, schrieb ich ein Theaterstück und inszenierte es. Wie auch immer, es kam der Punkt, an dem mir bewusst wurde, dass die Bühne beschränkende Grenzen hat, die überschritten werden sollten. So kam ich zum Filmemachen, weil mir Kino mehr kreative Freiheit gibt. Für mich ist Filmemachen wie Sprechen und es ist näher an mir selbst. Jedoch, sowie ich mich selbst nicht völlig verstehe, verstehe ich auch meine Filme nicht völlig.  Auch wenn die Filme, die ich mache eine erkennbare Handschrift haben, so hängt mein Stil und die Handhabung des Filmemachens vom jeweiligen Thema ab und das kann sich vom einen zum anderen unterscheiden. Deshalb können die in Dänemark entstandenen „Dogma-Filme“ mit ihren festgesetzten Regeln nie meine Art des Filmemachens sein.

 Sie haben einen völlig neuartigen Weg des Filmemachens und –produzierens. Wie sieht Ihre Arbeitsweise aus?

Die Filme entstehen in Team-Work  Am Anfang steht eine Idee, die dann von allen Beteiligten weiterentwickelt wird. Die Ideen kommen von überall her – von den Schauspielern, den Assistenten, der technischen Crew oder den Produzenten, die meist dieselben wenigen Personen sind, die viele Aufgabenbereiche gleichzeitig ausführen. So spielt zum Beispiel Mira Gittner in allen drei Filmen nicht nur die Hauptrolle, sondern ist auch in Eigenverantwortung für den Schnitt, also die letztendliche Filmkomposition, zuständig und hat sich mit mir zusammen die Kamera geteilt. Marina Anna Eich steht nicht nur in Hauptrollen vor der Kamera und co-produziert, sondern ist auch für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und den Verleih/Vertrieb der Filme zuständig, usw.. Bei Drehbeginn existieren nur ein paar Seiten als Drehbuch, basierend auf einer Idee, einem Konzept. Es könnte z. B. mit einem Monolog, einem Dialog oder einfach einer Textstelle beginnen, die ausgebaut, geändert werden und deren endgültige Fassung ich dann schreibe. Wie auch immer wird dieses dünne Skript zusammen mit den Schauspielern während der Dreharbeiten weiterentwickelt. Zum Beispiel bei The Dark Side of our Inner Space: der Drehort war in diesem Falle die Idee  – eine aufgegebe Militärkaserne. Die Schauspieler, die auch gleichzeitig die Crew waren, haben sich mit mir zusammen für ca. 6 Wochen täglich in der Kaserne getroffen und durch viele Gespräche über alles mögliche entstand Tag für Tag der Film. Ich glaube nicht an Geschichtenerzählen im narrativen Stil, da unser Leben auch nicht wie eine Geschichte mit vorgefasster Struktur und Ordnung geschrieben ist. „Das Leben ist ohne Text.“, heisst es in das zimmer. Es ist vielmehr multidimensional mit abrupten Übergängen und alle meine Filme beinhalten in irgendeiner Weise die Suche nach Leben, Identität und dem Selbst.

Sie arbeiten gerne immer wieder mit den gleichen Schauspielern bzw. dem gleichen Team zusammen und diese scheinen sich auch in einer ganz speziellen Weise zu engagieren, die sich dem konventionellen Schauspiel widersetzt.

Der harte Kern der Crew besteht mehr oder weniger aus denselben Personen, sei es vor oder hinter der Kamera, ähnlich wie bei einem Ensemble am Theater. Meine Beziehung zu den Schauspielern ist nicht die eines Dompteurs im Zirkus. Ich bitte sie mit ihrer eigenen Definition an die Rolle heranzugehen. Die Schauspieler versuchen, sich selbst mit den Rollen des Films zu verbinden, indem sie über sich selbst reflektieren und die Differenz zwischen Rolle und Person ermessen. Für mich beginnt Schauspiel berührend zu werden, wenn es persönlich und authentisch ist und das funktioniert besser, wenn die Schauspieler sich mit der Rolle auseinandersetzen und nicht reine Erfüllungsgehilfen eines Zirkus-Dompteurs sind. Schauspieler sind für mich eigenständige Künstler und wenn ich schon eine genaue Vorstellung der Rollen zu Beginn der Dreharbeiten hätte, dann bräuchte ich keine Schauspieler, sondern Marionetten, die einfach meine Instruktionen ausführen. Alle nehmen am kreativen Prozess teil.

Ihre Filme sind Kritik an der deutschen Gesellschaft. Wie wird das von ihren Landsleuten aufgenommen?

Im Allgemeinen sind die Deutschen dekadent geworden. Sie sind weitaus mehr an Geld und Karriere interessiert, als die Werte des Lebens zu hinterfragen. Meine Filme sind ein Blick in die zeitgenössische deutsche Kultur. Ich berühre die rohen Nerven der Gesellschaft, indem ich Fragen stelle, und deshalb können meine Filme unbequem sein. Auch wenn ich in den Filmen keine Antworten geben kann, mache ich die Leute auf die Angelegenheit aufmerksam.

Was ist Ihrer Meinung nach der beste Weg, ohne den gewohnten Druck des Marktes ein unabhängiger Filmemacher zu werden?

Der beste Weg ist der individuelle. Jeder Filmemacher sollte seinen eigenen Weg gehen. Wir machen die Filme mit geringem Budget, so dass wir sie selber produzieren können und somit haben wir immer die volle Autorität über das, was wir machen. Wir nutzen auch unser eigenes Equipment und machen den Filmschnitt selbst. Kurz gesagt, sind wir eine völlig unabhängige Einheit. Und das gibt uns die Freiheit, kreativ zu sein. Wenn wir eine Idee haben, ist alles, was wir brauchen, eine Kamera, Licht und Ton. Wir drehen digital und transferieren dann auf 35 mm. Das gibt uns die Freiheit, Dinge auszuprobieren. Inzwischen sind die meisten Filmemacher in Deutschland mehr wie Bänker  – ohne jeglichen philosophischen oder ästhetischen Beweggrund. Sie machen zurechtgeschnittene Filme, die überwiegend von den Finanziers entschieden werden, die von der Nachfrage des Marktzwanges abhängig sind. Wenn wir uns weiterhin von diesen Sachverwaltern der Geldgeber dominieren lassen, wird es nur noch Filme von der Stange geben. Die Filmemacher sollten wieder die Verantwortung für ihre Filme übernehmen. Ich hoffe mit unseren Filmen Mut zu machen, kreative Abenteuer wieder als Weg zu sehen. Mut zu machen, Filme zu entwickeln, die nicht nur im Büro desinged werden, sondern die der Kreativität  der Filmemacher entspringen. Kino sollte wieder zu einer Stimme werden. Zu einer Stimme für diejenigen, die keine haben. Eine Stimme, die der Gesellschaft Fragen stellt. Antworten sind nicht so wichtig. Antworten sollten das Ergebnis einer Reflektion sein, die sich individuell in den Köpfen der Zuschauer entwickelt. Jeder Zuschauer sollte gewillt sein zu denken und eine eigene Interpretation finden … oder sie zumindest suchen. Es geht um die Auseinandersetzung mit sich selbst. Die Filme sind immer nur der Anstoss. Ich sehe meine Art des Kinos als Abenteuer des eigenen Geistes, das zum Denken provoziert. Sollen wir denn alles ohne Fragen akzeptieren?

Mit „das zimmer“ gewannen sie eine Menge Preise. Hat das für sie etwas verändert?

Es war großartig, weil viele Menschen am Anfang nicht an uns glaubten.

Wie kam es dazu?

Mira Gittner verschickte VHS Kopien an Festivals in der ganzen Welt. Als ich das mitbekam, fing ich an, mich über sie lustig zu machen und erzählte ihr, es sei sinnlos und niemand würde uns je antworten. Doch plötzlich kamen tatsächlich Einladungen zur Tür herein und jeder nannte uns die „Ueberraschungs-Filmemacher“. Wir reisten von Ungarn nach Spanien und hatten viel Spass.

Wann wurde es ernst?

Als wir jemanden für die Öffentlichkeitsarbeit brauchten.  Wir hatten bereits eine Einladung für das Film-Festival in Mexiko und brauchten dafür jemanden, der öffentliche Auftritte mochte: Marina Anna Eich. Ihr gefiel das. Mira Gittner ist sehr kreativ, aber öffentlichkeitsscheu. Wir waren also beim Filmfestival in Mexiko und saßen entspannt bei der Preisverleihung, mit einem Preis hatten wir niemals gerechnet. Und dann gaben sie bekannt: „Der President’s Award für den Besten Spielfilm:  Das Zimmer.“ Es brauchte eine Weile bis wir begriffen, dass wir gemeint waren.

Haben Sie Vorbilder?

Nein. Es gibt viele, die ich mag, aber niemand, der meine Arbeit auf irgendeine Weise beeinflusst hätte. Das ist ein Problem bei vielen Regisseuren, sie versuchen Hollywood oder wen auch immer zu imitieren und werden somit auch nie mehr als eine Kopie bleiben. Ich bevorzuge immer das Original.

Sie bezeichnen die drei Filme der Roland Reber Filmreihe auch als Trilogie? Was ist der gemeinsame Kern?

Die drei Filme haben alle das Thema der SUCHE gemein, Fragen wie: Wer sind wir oder woher kommen wir? Der erste umgesetzt als ein Psycho-Thriller, der zweite als eine schwarze Komödie und der dritte als ein Drama.

Worin liegt der Unterschied?

In der Geschichte, die jeweils erzählt wird. Jeder Film steht für sich allein

Wie kamen Sie auf die Idee zu das zimmer?

das zimmer verdankt seine Realisation einer Umzugskiste. Vor vielen Jahren, ca. 1985 , schrieb ich aufgrund einer Wette ein kurzes Manuskript mit der Grundgeschichte des verschlossenen Zimmers. Ein befreundeter Redakteur sagte mir, es sei unmöglich, in kurzer Zeit eine Geschichte zu schreiben, die sowohl Spannung als auch Erotik beinhaltet. Das spornte mich an und ich schrieb das Manuskript in einer Nacht. Die Wette habe ich gewonnen. Viele Jahre später kam beim Archivieren meiner Texte dieses Manuskript wieder zum Vorschein und so entstand der Film.

Warum haben Sie für The Dark Side of our Inner Space einen englischen Titel gewählt?

Im März 2003 teilte mir der Direktor des Calcutta International Filmfestivals mit, dass er im November eine „Roland Reber Filmreihe“ bei seinem Festival machen wolle. Diese „Special Section“ eines Regisseurs beinhaltet allerdings immer drei Spielfilme, bis zu diesem Zeitpunkt existierten aber nur das zimmer und Pentamagica. „Ok“, sagte ich, „Du wirst im November drei Filme zeigen können, versprochen.“ Daraufhin wollte er den Titel und den Plot von dem dritten Film wissen. „Es geht um die verborgenen Seiten in uns, um die dunkle Seite unserer Seele.“, improvisierte ich spontan. Und da das Gespräch in Englisch stattfand, entstand so der englische Titel „The Dark Side of our Inner Space“. Nachdem das Versprechen nun gegeben war, musste nur noch ein Spielfilm entwickelt, gedreht und geschnitten werden. Wir hatten ein halbes Jahr Zeit, denn im Oktober musste die 35 mm – Kopie in Calcutta sein. Wir haben es geschafft. The Dark Side of our Inner Space hatte seine Weltpremiere im November 2003 beim Calcutta International Filmfestival.

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